Düster und fantastisch: Dirty Granny Tales mit „Telion’s Garden“ im English Theatre

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Musikalisch irgendwo zwischen Metal, Folk und Progressive Rock angesiedelt erzählt die Gruppe Dirty Granny Tales mystische Geschichten, die an die Filme von Tim Burton und Guillermo del Toro erinnern. Die aktuelle Show „Telion’s Garden“ bezaubert, bedrückt und begeistert in gleichem Maße.

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Foto: Olivia Duta

Phaedon und seine Freundin Maria leben in einem Kriegsgebiet. In der Stunde der Not taucht eine seltsame Gestalt auf, die dem Jungen verspricht, ihn in ein Land des Friedens zu bringen, wenn er einen Vertrag unterschreibt. Was Phaedon nicht weiß: Der Vertrag schließt nur ihn ein, Maria muss er zurücklassen. Und Telions Garten ist nicht das Paradies, als das er zunächst erscheint.

Die Bühne ist bis auf die Instrumente und Sitzplätze der Musiker leer. Die aktuellen Spielplätze werden auf einer Leinwand im Hintergrund eingeblendet. Zwischen den Stücken wird dort auch der Fortgang der Geschichte als weiße Schrift auf schwarzem Grund dargestellt. Diese Zwischenstücke sind tatsächlich für das Verständnis unerlässlich, da die Texte der Lieder teilweise schwer verständlich sind.

Dirty Granny Tales unter der Leitung von Stavros Mitropoulos stammen aus Griechenland. Während der Show agieren sie nicht nur als Musiker sondern sind Teil der Geschichte. Als Telions Diener tragen sie fantastische Kostüme (Beatrice Baumann et. al.). Schwarzer Stoff, stachelige Haare, Schminke, die das Gesicht zur Maske werden lässt und Assoziationen zu Porzellanpuppen weckt: Die Darstellung geht bis ins Detail. Seien es die mechanischen Bewegungen des Bassisten (Thanos Mitropoulos) beim Spielen oder die speziellen Gangarten der Cellistin (Dalai Theofilopoulou) und des Schlagzeugers (Uli Muehe) stimmt alles. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen und genau das gelingt der Gruppe an diesem Abend hervorragend. Im Bann dieser Geschichte wird zwischen den einzelnen Stücken auch nur selten geklatscht. Fast wirkt es, als hielte das Publikum den Atem an.

Unterstützt werden die vier Musiker von den Tänzerinnen Ruby Wilson und Giulia del Balzi, die Phaedon und sein Umfeld zum Leben erwecken. Riesige weiße Vögel, seltsame florale Wesen und die verdrängte Erinnerung an Maria sind Teile dieses Reigens. Das opulent-bunte Bildmaterial in den Projektionen macht die Illusion perfekt.

Musikalisch sind Dirty Granny Tales weit vom Mainstream entfernt. Wer sich jedoch auf die Mischung aus düsterem Symphonic Metal, Folk und Progressive Rock einlässt, den erwartet eine fantastische Reise. Die ausgeklügelten, vielschichtigen Arrangements der Songs ziehen den Zuhörer unweigerlich in ihren Bann. Die Melodieführung ist eingängig, der Rhythmus lädt zum Mitwippen ein. Alle Musiker beherrschen ihre Instrumente in Perfektion. Die gesangliche Leistung von Gitarrist Stavros Mitropoulos ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Er wechselt zwischen hoher Kopfstimme, tiefem Bariton und Growling, ohne auch nur ein einziges Mal zu straucheln. Die vom Rest der Truppe beigesteuerten Harmonien sorgen mehr als einmal für Gänsehaut.

„Telion’s Garden“ ist auf seine düster-fantastische Art eine spannende und ergreifende Show zwischen Traum und Albtraum: Ein lohnenswerter Abstecher in eine etwas seltsame Fantasiewelt.

 Text: Julia Weber

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