Altbacken: „Sinatra & Friends“ im Admiralspalast

Die Musik Frank Sinatras ist noch heute beinahe jedem ein Begriff. Legendäre Songs wie „Fly me to the Moon“ kennen immer noch alt und jung, denn die Musik des 1998 verstorbenen Sängers ist zeitlos. Während die Musik Sinatras für sich genommen kein Verfallsdatum kennt, ist dies bei der aktuellen Tourproduktion „Sinatra & Friends“, die kürzlich im Admiralspalast gastierte, fragwürdig.

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Foto: Andy Juchli

2015 war das Jahr, in dem die meisten Sinatra Tribute Shows das Licht der Welt erblickten oder in einer neuen Auflage erneut auftauchten. Grund dafür: Sinatras 100ter Geburtstag. Auch „Sinatra & Friends“ ist eine dieser Shows, die es schon einmal – zumindest so ähnlich – am Broadway gab. Stephen Triffitt als „Ol‘ Blue Eyes“ Sinatra, Mark Adams als Dean Martin und Daniel Long als Sammy Davis Jr. traten bereits gemeinsam in „The Rat Pack – Live from Las Vegas“ gemeinsam auf.

Was die drei gemeinsam mit der hinter ihnen stehenden neunköpfigen Big Band und der weiblichen Unterstützung durch die „Golden Girls“ beziehungsweise „Nancy Sinatra“ wunderbar schaffen, ist es, die Musik der Ära Sinatra zum Leben zu erwecken. Jeder Ton sitzt und stimmlich passt auch alles. Wer ein gutes Konzert mit Sinatra Songs erleben möchte, ist hier also richtig. Wer den Anspruch hat, in dieser Show auch noch ein wenig über die reinen Songs hinaus unterhalten zu werden, wird allerdings enttäuscht.

Die Show ist angelehnt an ein Konzert das die drei Rat Pack Mitglieder einst in Las Vegas gaben und genau diese Anlehnung ist es, die zum Problem wird. Die drei Darsteller unterhalten sich mit dem Publikum und miteinander, doch über den immerwährenden Hinweis auf Dean Martins Alkoholproblem fehlt dem Ganzen jeglicher Pfiff. Zum Glück sind die kleinen schauspielerischen Einwürfe nie lang genug um wirklich zu langweilen, doch unterhalten tun sie eben auch nicht.

„Sinatra & Friends“ ist eine Show mit positiven wie negativen Seiten, der eine Straffung oder eine grundlegende Änderung des Konzeptes sicherlich gut täte. Der Humor ist gestrig und wirkt bemüht. Richtet man den Fokus jedoch auf die Musik, wird man begeistert sein, würdige Adaptionen der bekannten Songs des Dreiergespanns zu hören zu bekommen. Wünschenswert wäre sicherlich auch, wenn man etwas mehr von der Bigband sehen würde, die während der gesamten Show zwar leicht erhöht aber gänzlich hinter riesigen Notenpulten verborgen auf der Bühne sitzt. Eine Frischzellenkur, das wünscht man der Show. Die Musik – von „Mr Bojangles“ über „I’ve got you under my Skin“, von „New York, New York“ bis „Volare” – wird diese wohl auch an Sinatras zweihundertstem Geburtstag noch nicht nötig haben.

Text: Julia Weber

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