Musik trifft Comedy: „Piano Battle – live on TV“ im Tipi am Kanzleramt

Vor etwas mehr als einem Jahr machten sich Paul Cibis und Andreas Kern mit ihrem Programm „Piano Battle“ daran die Bühnen Deutschlands, Europas und der Welt zu erobern. Mit einer Mischung aus hochkarätigem Klavierspiel und Comedy begeisterten sie das Publikum. Nun kommt Runde zwei: „Piano Battle – live on TV“ feierte am 20. Mai im Tipi am Kanzleramt Premiere.

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Foto: Jim Rakete

Zwei Klaviere, eine Bühne, zwei Künstlerfiguren die an entgegengesetzten Enden der Skala stehen. Paul Cibis, ganz in schwarz, verkörpert den braven, biederen, hochbegabten Pianisten: Etwas zugeknöpft, etwas schüchtern, unscheinbar. Andreas Kern, ganz in weiß, hingegen mimt das Enfant Terrible mit wilder Frisur und noch wilderen Einfällen. Ein Großteil der Show baut darauf auf, dass diese Pole bestehen bleiben, dass die beiden karikaturistisch überzogenen Charaktere tatsächlich für bare Münze genommen werden. Das funktioniert meist, aber nicht immer.

Die Story hinter der Show (Skript: Guy Jones) lässt sich schnell zusammenfassen. Nach dem großen Erfolg der ersten Tournee ist angeblich das Fernsehen auf die beiden Musiker aufmerksam geworden. Ein Regisseur diktiert aus dem Off, möchte das Ganze spannender und internationaler machen, den musikalischen Wettstreit ausbauen. Sei es durch Fußball, sei es durch den Einsatz von Kostümen oder den Einsatz von Playback. Dass das der Musik nicht immer zuträglich sein kann, versteht sich von selbst.

Sowohl Cibis als auch Kern sind ausgebildete Pianisten mit jeder Menge Konzert- und Bühnenerfahrung. Dass sie ihr Handwerk beherrschen ist unstrittig. Hin und wieder erscheint der musikalische Ausdruck jedoch zugunsten der zur Schau gestellten Virtuosität ein wenig zu leiden, doch diese Momente sind rar. Der Zuschauer wird bestens unterhalten. Hier spielen sich die Herren Chopins Minutenwalzer wie einen Tischtennisball zu. Bach wird verjazzt, Adele wird ins klassische Gewand gepackt und mitten in einem Beethoven Stück klingt plötzlich das Titelthema aus „Star Wars“ an.

Beschränkte sich der Abend auf die Musik und den Wettstreit der beiden Akteure, deren Geplänkel und gegenseitige Neckereien als Zwischenspiel recht nett daher kommen, wäre „Piano Battle – live on TV“ rundum gelungen. Was im Programm zusätzlich aufgefahren wird und an „Wetten dass,…“ und andere Familienshows erinnert, wie etwa die etwas peinliche „Herzblatt“-Runde bei der drei ausgewählte Damen aus dem Publikum ihren Lieblingspianisten wählen sollen und das Torwand-Schießen kommen beim Publikum zwar gut an, wirken jedoch zu bemüht und kalauerhaft für die Show.

Die beiden Highlights des Abends bilden die blinde Improvisationsrunde und das finale Zusammenspiel der beiden Akteure, in dem sie mit Leonard Bernsteins Mambo aus der West Side Story noch einmal ihr ganzes Können auf die Tasten legen – beides Show-Momente die gänzlich ohne Spezialeffekte und Zusatzmaterial auskommen.
Die Schlussfolgerung ,die die beiden Pianisten in der grob in die Show gewebten Handlung am Ende ziehen – dass gute Musik eben keine Extras benötigt – kann man getrost so unterschreiben.

Text: Julia Weber

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