Unterhaltsam – „Die Mitschuldigen“ im Monbijou Theater

Johann Wolfgang von Goethe war zwanzig Jahre alt, als er „Die Mitschuldigen“ schrieb. Bekannt ist das Stück heutzutage kaum noch. Aber – so die Einleitung im Monbijou Theater – der Titel passt so schön in unsere heutige Zeit. Im Wechsel mit Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ wird das Stück (Regie: Maurici Farré) den Sommer über auf der Bühne des kleinen hölzernen Amphitheaters gleich gegenüber vom Bode Museum aufgeführt. Dabei nimmt man den größten deutschen Dichter nicht allzu ernst und schafft es damit, einem eher flachen Stück einiges an Unterhaltungswert und ein gutes Stück Gesellschaftskritik abzugewinnen.

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Foto: Bernd Schönberger

Die Geschichte von „Die Mitschuldigen“ ist in drei Sätzen erzählt. Wirtstochter Sophie hat mit Söller einen trunk- und spielsüchtigen Kerl geheiratet, rackert sich täglich in der Schankstube des Vaters ab und klagt über ihr grässliches Leben. Sophies ehemaliger Liebhaber, der reiche Alcest, zieht in eines der Gästezimmer ein. Die beiden verabreden sich des Nachts in seinem Zimmer, wo Söller – der mit dem Geld des reichen Gastes seine Spielschulden begleichen wollte – Zeuge ihrer Liebesbekundungen wird.

„Die Mitschuldigen“ ist kein Meisterwerk Goethes. Es ist sehr eindeutig ein Frühwerk, ein wenig holprig hier und da. Eine einfache Geschichte. Zunächst existierte es nur als Einakter, der die Geschehnisse in Alcests Zimmer umfasste. Später fügte Goethe eine einführende Handlung hinzu, in der die Beweggründe der Figuren erklärt wurden.

Im Monbijou Theater geht man einen ungewöhnlichen Weg um mit dem Problem der nicht ausreichend vorhandenen Tiefe im Stück umzugehen. Söller wird zum Conférencier, zum Narren der durch die Handlung führt. Er fällt gleich zu Anfang aus der Rolle und erklärt dem Publikum auf schnodderige Art: „Wir haben uns ein wenig schwer getan, in das Stück hinein zu finden, also dachte ich, ich setz mich erst mal hier hin und trink ein Bier.“

Doch so schwer tun sie sich dann gar nicht. Thorsten Loeb als Wirt, Laura Sophia Becker als Sophie, Jonas Kling als Alcest und Claudius von Stolzmann als Söller haben sichtlich ihren Spaß dabei, „Die Mitschuldigen“ mit einem Augenzwinkern und viel Publikumskontakt auf die Bühne zu bringen. Da singt der Wirt schon mal „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, verteilt Sophie „Tapas“ im Saal und lauert in Alcests stockdunklem Zimmer plötzlich ein Krokodil. Der Kontrast zwischen Söller und Alcest wird durch die Anmerkungen und Provokationen des ersteren zum Klassenkampf arm gegen reich, während der Wirt als überzeichneter Faschist daherkommt, der nach oben buckelt und nach unten tritt.

Man muss sich ein wenig auf diese etwas irre Performance einlassen. Tut man das, ist „Die Mitschuldigen“ ein wirklich gelungenes, unterhaltsames Stück Theater geworden.

Text: Julia Weber

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