Blendend – „Cosi Fan Tutte“ in der Deutschen Oper

„Cosi Fan Tutte“, Mozarts drittletzte Oper, wurde schon tausende Male aufgeführt. Auch in Berlin gab es Auflage um Auflage des Stückes um die beiden Freunde Ferrando und Guglielmo, die auf Anraten des zynischen Alfonso die Treue ihrer Verlobten Dorabella und Fiordiligi auf die Probe stellen. Nun versucht Robert Borgmann sich an einer Neuinszenierung an der Deutschen Oper und erschafft einen Abend irgendwo zwischen guter Unterhaltung und verwirrtem Kopfschütteln.

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Foto: Bernd Uhlig

Grelle Farben, grelles Licht, eine sich ständig in Bewegung befindliche Drehbühne und ein mehr als seltsames Sammelsurium an Objekten – ein klares Konzept sucht man zwischen Ölpumpe und Dornenstrauch hier wohl vergeblich.

Die „Verwandlung“ der beiden frisch Verlobten in die fremden Edelmänner  durch Austausch der „Alltagskleidung“ gegen barocke Kostüme hat man so ähnlich auch schon in mehr als einer Inszenierung gesehen. Lediglich die Entscheidung, Knickerbocker und Gehrock in neonpink und neongelb zu schneidern wirkt hier neu. Entsprechend kreischend sind auch die Farben der Kleider, die sich die Damen zum Ende des ersten Aktes überstreifen (Kostüm: Michael Sontag).

Im direkten Vergleich mit der letzten Inszenierung an der Komischen Oper, in der als geschickter Kunstgriff eine Mischform aus deutscher und italienischer Fassung eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit geschlagen wurde, fehlt hier ganz klar ein roter Faden und ein Funke Stilsicherheit. Als Zuschauer fragt man sich unwillkürlich immer wieder, was dieses oder jenes Bühnenelement (Bühnenbild: Robert Borgmann) denn eigentlich soll, warum es wirklich nötig ist, dass sich die Verführungsszene zwischen  Dorabella (Stephanie Lauricella) und Guglielmo (John Chest) äußerst graphisch gleich vorn an der Bühnenrampe abspielt, wo die beiden Beteiligten sich singend dem Höhepunkt nähern und warum man eigentlich andauernd blinzeln oder gar den Blick vom Bühnengeschehen abwenden muss, weil man durch die grellen in den Zuschauerraum gerichteten Neonlampen und Spots geblendet wird (Licht: Carsten Rüger). Selbige Neonlampen sorgen während großer Teile der Vorstellung für eine nur unzureichend weit reichende Beleuchtung der Bühne und machen es wirklich schwer, der Handlung dort zu folgen.

Einige gute Ideen hat die neue Inszenierung jedoch zu bieten. Sowohl der erste Auftritt von Ferrando (Paolo Fanale) und Guglielmo als auch Guglielmos „Donne mie, la fate a tanti“ finden im Publikumsraum statt und schaffen es dadurch die Grenze zwischen dem Geschehen auf der Bühne und den Zuschauern aufzulösen. Hier wird die Saalbeleuchtung angeschaltet und für einen kurzen Moment können die Zuschaueraugen sich tatsächlich entspannen.

Hausmädchen Despina  tritt im ersten Akt noch im schwarz-seidenen Reifrock auf, betritt jedoch im zweiten Akt im Lack-Overall die Bühne.  Die Wahl des Kostüms hätte billig wirken können, aber Alexandra Hutton spielt die klassische Femme Fatale, überzeugt mit Stimmgewalt und humoristischem Talent und beherrscht die Bühne an diesem Abend wie keiner der anderen Darsteller, weiß sich jedoch in den Duetten mit Noel Bouley (Don Alfonso) gerade so weit zurück zu nehmen, dass der tiefe Bariton einen gleichwertigen Counterpart zu ihrem kraftvollen Sopran darstellen kann.

Stimmlich und musikalisch wird hier insgesamt Großes geboten. Das Ohr kommt auf seine Kosten. Die Stimmen  der drei Paare passen hervorragend zusammen und verschmelzen miteinander. Das Ensemble ist durchweg stimmlich wie schauspielerisch voll dabei. Das Orchester unter der Leitung von Donald Runnicles spielt beschwingt und begeisternd.  Wer sich auf die ungewöhnliche – teilweise auch verwirrende Inszenierung einlässt, dem wird ein wahrer Ohrenschmaus geboten.

Text: Julia Weber

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