Makaberer Spaß – “Sarg niemals nie” in der Bar Jeder Vernunft

Bereits im Jahr 2013 feierte “Sarg niemals nie” seine Berliner Premiere in der Neuköllner Oper. Jetzt ist das Musical in der Bar Jeder Vernunft zu sehen und garantiert einen kurzweiligen, schwarzhumorigen Abend.

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Foto: Sonja Hornung

Der Bestattungsunternehmer ist gestorben und hat seinem Sohn David (Patrik Cieslik) ein reichlich marodes Geschäft hinterlassen. Haushaltshilfe Dakmar (Yvonne Greitzke) hilft, wo sie nur kann und hofft bei jedem gemeinsam gerauchten Joint darauf, dass er etwas verklemmte David es endlich auf die Reihe bekommt, den ersten Schritt hin zu einer Beziehung zu machen, die über das Geschäftliche hinausgeht. Gerade als David eingesehen hat, dass trotz guter Ideen – IKEA Schränke lassen sich mit etwas heimwerkerischem Geschick hervorragend zu Särgen umfunktionieren – die Insolvenz drohnt, taucht Bruder Tim (Michael Starkl) auf. Vor acht Jahren nach Indien ausgewandert um der stetigen Präsenz des Todes zu entfliehen, kommt er nach Hause, weil er Geld braucht. Doch woher soll das Geld kommen? Eine Idee muss her. Ein dummer Zufall führt zu einer ungewöhnlichen Entdeckung: Die Asche des verstorbenen Herrn Schmitt sorgt in Verbindung mit dem gewöhnlichen Gras für ungeahnte bewusstseinserweiternde Höhenflüge. Die drei beschließen, das Zeug zu verkaufen. Bald klingelt die Kasse und bald darauf die Polizei.

“Sarg niemals nie” ist das erste Musical aus den Federn von Dominik Wagner und Jörg-Felix Alt und für ein Erstlingswerk prächtig gelungen. Die schmissige Musik von Christoph Reuter und Cristin Claas ist mitreißend und spritzig. Der Text (Dominik Wagner) holpert hier und da zwar noch ein wenig, doch das fällt nur sehr selten auf. Dazu kommt, dass einige der schrägen Ideen dies mehr als wett machen: So beispielsweise, dass die Bestatter-Ketten “MacSarg”, “BurgerSarg” und “Sargkozy” es dem kleinen Familienunternehmen schwer machen, sich auf dem Markt zu behaupten.

Das liegt vor allem an dem wirklich hervorragenden Trio aus Patrik Cieslik, Yvonne Greitzke und Michael Starkl, die ihre Charaktere authentisch spielen und sie zu liebenswerten schrägen Vögeln machen, deren Geschichte man gern verfolgt. Cieslik spielt den neurotischen David perfekt von der besengeraden Haltung bis zum ständigen Hände-desinfizieren. Starkls Tim ist selbstsicher und stark und Greitzke weiß als Dakmar, ihre Reize in Szene zu setzen.

Auch stimmlich ergänzt sich das Trio hervorragend. Ob die beiden Männer in “Aus dem gleichen Holz” ihr Verhältnis zum Vater und zueinander besingen, Dakmar und David in “Ich will mit dir putzen” umeinander werben: Es macht Spaß zuzuhören und zuzusehen.

Der begrenzte Raum in der Bar Jeder Vernunft sorgt dafür, dass auch das Bühnenbild aufs Wesentliche reduziert bleibt. Doch durch den geschickten Einsatz einer Drehbühne und einzelner verschiebbarer Elemente wurde der Platz optimal ausgenutzt. Die Band unter der Leitung von Nikolai Orloff ist seitlich neben der Bühne postiert und spielt live. Die Akustik im Zelt, in dem die Bar Jeder Vernunft untergebracht ist, stellt grundsätzlich eine Herausforderung an jeden Tontechniker dar. Bei “Sarg niemals nie” gibt es allerdings keinerlei Probleme mit Übersteuerungen. Alle Texte sind klar verständlich, Band und Sänger perfekt abgemischt.

Das Stück funktioniert immer dann am besten, wenn es Fahrt aufnimmt. So sind die fetzigen Nummern, in denen die Darsteller auch ihre tänzerischen Fähigkeiten beweisen können (Choreographie: Jörn-Felix Alt), wie “Albtraum” im ersten oder “Wir machen aus Asche Asche” im zweiten Akt, die absoluten Highlights des Musicals.

“Sarg niemals nie” bietet exzellente Unterhaltung mit viel Humor, hervorragenden Darstellern und guter Musik.

Text: Julia Weber

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