Unterhaltsame One Man Show – „Der Kontrabass“ im Kleinen Theater

In einer schallisolierten Wohnung mitten in der Großstadt lebt der namenlose Kontrabassist, der im auf dem Buch von Patrick Süskind basierenden Monolog „Der Kontrabass“ zu Wort kommt. In der Aufführung im Kleinen Theater lässt Rainer Reiners den Zuschauer im Kleinen Theater am Alltag dieses einsamen Menschen – an seinen Ängsten und Träumen,  seinen Ideen und seinem Wissen – teilhaben.

Die Bühne ist karg eingerichtet: Ein Stuhl, ein Tisch, ein Regal und das mit Spezialglas ausgestattete Fenster – und stets dominierend der Kontrabass. Unhandlich, unpraktisch,  unmelodiös. Selten hat ein Musiker sein eigenes Instrument so gehasst wie in Süskinds Monolog. Reiners spielt seine Rolle mit Bravour.  Die Einwürfe des namenlosen Protagonisten zu den berühmten Komponisten, insbesondere seine tief sitzende Abneigung gegen Wagners Opern trägt er so trocken und unprätentiös vor, dass das Publikum unwillkürlich laut lachen muss. In den Momenten da er als Kontrabassist dessen Seelenleben offen legt – von seiner Schwärmerei für Mezzosopranistin Sarah bis hin zu seinem Hass auf den Kontrabass der ihn „menschlich, gesellschaftlich, verkehrstechnisch, sexuell und musikalisch nur behindert“ – ist man beinahe peinlich berührt.  Möchte man wirklich wissen, was diesen seltsamen Typen, diesen Fremden im innersten bewegt? Vielleicht. Reiners schafft es, den kauzigen Kontrabassisten tatsächlich sympathisch zu machen.  Wenn er am Ende sein Apartment verlässt, fest entschlossen Sarah seine Liebe zu gestehen,  dann wünscht man ihm insgeheim alles Gute, auch wenn hier ein Happy End eher unwahrscheinlich erscheint.

„Der Kontrabass“ wird nie langweilig obwohl es sich um ein Kammerspiel im allerengsten Sinn handelt und das Schauspiel gänzlich ohne Knalleffekte auskommt.  Einzig die mit dem iPod aufgerufenen Musikstücke sorgen für Akustische Reize jenseits des gesprochenen Wortes. Das Stück wurde stellenweise leicht modernisiert  und an den neuesten Stand der Technik angepasst, so etwa bei der Verwendung des iPod und beim mehrmaligen Hinweis ans Publikum, man möge zu weiteren Informationen Google oder Wikipedia bemühen. Das alles fügt sich nahtlos zusammen und wirkt nie bemüht. Alles in allem bietet „Der Kontrabass“ einen vergnüglichen Abend für Musik- und Theaterliebhaber, ob sie nun Wagner skeptisch gegenüberstehen oder nicht. Reiners Kontrabassist hört man gerne beim Philosophieren über Gott, die Welt und sein gehassliebtes Instrument zu.

Text: Julia Weber

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