FAUST – Die Rockoper in Auerbachs Keller

Leipzig, 15.01.2017

Seit 2009 kehrt „FAUST – Die Rockoper“ (Inszenierung: Dr Rudolf Volz) regelmäßig in die historischen Gewölbe von Auerbachs Keller zurück. Eine perfekte Location, denn schließlich ließ Goethe einst eine der ersten Szenen des Stückes dort spielen. Aber Faust und Rock’n’Roll? Geht das zusammen? Die Antwort, das einmal vorweg genommen, ist ein klares „ja“. Dass „FAUST – Die Rockoper“ schon seit über zwanzig Jahren erfolgreich gespielt wird, ist wohl Beweis genug.

faust

Foto: Manthey Event GmbH

Goethes Faust begegnet jeder in seinem Leben wohl irgendwann einmal. Selten jedoch tritt der Dichter als Conferencier auf, der, die Einleitung des Stückes rezitierend ab und an inne hält um sich zu erkundigen ob eine der Damen im Publikum denn schon etwas zu tun habe nach der Show. Bereits im Prolog, in dem sich Mephisto in „Tierischer als jedes Tier“ über die Schwäche der Menschen auslässt, zeigt sich auch schon einer der besten Aspekte der Show: Alle Texte sind beibehalten worden. Es gibt keine unnötigen Modernisierungen. Goethes Original, so zeigt sich, ist absolut Rock’n’Roll-tauglich.

Musikalisch und gesanglich gibt es einiges zu bieten. Falko Illings Mephisto sieht nicht nur so aus als sei er einer Heavy Metal Band entsprungen. Sein rauer, manchmal etwas kratziger Gesang hat eine wirklich erstaunliche Dynamik. Wackler in den Höhen sind hier Mangelware. Christian Venzke als Faust überzeugt mit einer Performance zwischen Musical und Rock, die sich insbesondere durch perfektes Belting auszeichnet. Der Kontrast der beiden Männerstimmen wird besonders in den Duetten deutlich. Mit Leticia Thate gesellt sich eine weitere beltende Musicalstimme zum Ensemble. Als Erdgeist, Hexe, Frau Marthe und Domina zeigt sie immer wieder neue Facetten. Ein Highlight ist sicherlich neben dem wundervollen Hexen-Einmaleins – das wohl beinahe jeder Gast als Ohrwurm mit nach Hause nimmt – das Duett mit Illing bei „Ihr Mann ist tot“.

Denise Vilöhrs sauberer Sopran ist hier die Antithese zu den rockigeren Stimmen ihrer Kollegen. Ob Solo im folkigen „König in Thule“, jazzig in „Meine Ruh ist hin“ oder im Duett mit Faust in „Er liebt mich“: Vilöhrs Stimme schwebt glasklar über allem und verleiht dem braven Gretchen absolute Glaubhaftigkeit.

Die Bühne in Auerbachs Keller ist nicht besonders groß, doch die Ideen fürs Bühnenbild sind sowohl simpel als auch originell. In Fausts Studierzimmer steht ein alter Röhren-Computerbildschirm auf dem unterschiedliche naturwissenschaftliche Symbole aufblinken. Auf dem Regal liegt ein Schädel mit phrenologischer Kartierung. In der Szene in Wirtshaus paddeln Mephisto und Faust auf einem fliegenden Fass über die Bühne und auch Gretchens Kerker wartet mit einigen Spezialeffekten auf. Ein hervorragendes Tänzer-Quartett (Choreographie: Jessica Illing), Pyrotechnik und Licht tun ihr Übriges um die einzelnen Szenen zum Leben zu erwecken (Bühne, Kostüme und Gesamtproduktion: Manthey Event GmbH).

Die Band steht mit auf der Bühne und wird hin und wieder von den Darstellern ins Geschehen mit einbezogen. Gitarrist Felix Bodner, Drummer Lucas Schneider, Keyboarder Daniel Tutschek und Bassist Manfred Hecht sorgen live für ein musikalisch-rockiges Feuerwerk.

Das gesamte Ensemble ist mit Einsatz und Spaß dabei, der unweigerlich aufs Publikum überschwappt. Einige Regie-Einfälle sind schlicht urkomisch. Ob gleich am Anfang der Sensenmann, nachdem sich Faust in letzter Sekunde doch gegen den Suizid entscheidet, diesem auf die Schulter klopft und anschließend dem kichernden Publikum den Mittelfinger zeigt, ehe er enttäuscht die Bühne verlässt, ob Leticia Thate als Hexe auf ihrem Besen eine Luftgitarrennummer hinlegt, die sich gewaschen hat oder ob Mephisto erst einmal wutschnaubend Faust auf dem Handy anruft, nachdem er beobachtet hat wie Gretchens Mutter (herrlich komisch: Hartmut Hecht) das Schmuckkästchen der Kirche geschenkt hat: Es gibt viele solcher kleinen manchmal mehr, manchmal weniger harmlosen Schmunzelmomente im Stück.

Alles in Allem ist „FAUST – Die Rockoper“ auch über zwanzig Jahre nach Entstehung eine Garantie für einen spannenden Abend mit Goethes Texten und fetziger Musik.

Text: Julia Weber

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