Unterhaltsam: „Le Nozze di Figaro“ in der Oper Leipzig

Als Mozart „Le Nozze Di Figaro“ schrieb, war das Stück – und das ihm zugrunde liegende Theaterstück von Beaumarchais – zunächst ein Skandal. Jahre später bleibt von dem damals für Aufruhr sorgenden Stück vor allem eines: Großartige Musik und eine Geschichte, die auch heute noch für einiges an Erheiterung sorgt.

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Foto: Kirsten Nijhof

 

Die gesamte Handlung spielt in und um das Schloss des Grafen Almaviva, sodass Szenenwechsel mit Minimalaufwand betrieben werden können. In der Inszenierung (Gil Mehmert) an der Leipziger Oper bewegen sich die Figuren durch ein schwarzweißes Herrenhaus. Ähnlich wie ein riesiges Puppenhaus öffnen sich die Räumlichkeiten über drei Stockwerke in den Zuschauerraum (Bühnenbild: Jens Kilian). Hier liegt das einzige Problem der Inszenierung, denn wer in den vorderen Reihen sitzt und des Italienischen nicht absolut mächtig ist, muss sich häufig entscheiden, ob er der Handlung folgen oder die deutschen Übertitel lesen möchte. Gerade wenn sich eine Szene im unteren Bereich des Hauses abspielt, ist es unmöglich, beides gleichzeitig im Blickfeld zu behalten. Die Kostüme (Falk Bauer) sind zeitlos-modern. Auch hier dominiert schwarzweiß durchsetzt mit einigen bunten Tupfern.

Musikalisch lässt „Le Nozze Di Figaro“ nichts zu wünschen übrig. Von Olena Tokars (Susanna) klarem und unprätentiösem Sopran über Sejong Changs (Figaro) ausdrucksvolles Spiel bis hin zu Kay Stiefermanns (Graf) starkem Bariton spielt hier ein hochkarätiges Ensemble, das hervorragend miteinander harmoniert. Auch das Gewandhausorchester, unterstützt von Paulo Almeida am Cembalo, spielt mit virtuoser Leichtigkeit und schafft es, den fröhlichen Grundton des Werks aufs Publikum überschwappen zu lassen.

Eines der absoluten Highlights der Aufführung ist Page Cherubinos „Voi Che Sapete“, das die durchweg absolut grandios schauspielernde Wallis Giunta mit Elvis-Tolle und umgehängter E-Gitarre zum Besten gibt. Sowieso ist hier Cherubino der heimliche Star der Inszenierung und gewinnt rasch die Herzen des Publikums.

Als klassische Opera Buffa ist die Handlung hin und wieder aus heutiger Sicht fast schon übertrieben albern, aber das gehört bei Mozart eben dazu und immer wieder hört man einige Lacher aus dem Publikum, wenn der Graf mit dem Brecheisen die Tür zum Ankleidezimmer öffnen möchte oder Figaro sich abends mit Tarnmantel in den Garten schleicht um seine Susanna zu belauschen.

Alles in allem bietet die Leipziger Inszenierung von „Le Nozze di Figaro“ ein unterhaltsames Gesamtkonzept.

Text: Julia Weber

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Ohrenschmaus: „Vokalrausch“ im Felsenkeller Leipzig

Wer „A Cappella“ hört, denkt in deutschen Gefilden meist zuerst immer noch an „Die Prinzen“ und die „Wise Guys“. Dass A Capella jedoch viel facettenreicher ist, und das schon beschränkt auf den Leipziger Raum, konnte das Publikum beim ersten in Leipzig stattfindenden „Vokalrausch“ Festival erfahren.

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Foto: Marcus Fröhner

 

Vier starke A Cappella Gruppen, in Repertoire und Stilrichtung teils so unterschiedlich wie Tag und Nacht, teilten sich die Bühne im Felsenkeller und boten eine dreieinhalbstündige Show der Superlative.

Gastgeber VOXID (Maike Lindemann, Diana Labrenz, Gabriel Fuhrmann, Friedrich Rau und Daniel Barke) wartete mit einigen Coversongs, jedoch hauptsächlich mit humorvollen selbst geschriebenen Stücken auf. So kam das Publikum kaum umhin beim Autosuggestionslied „I Feel So Good Bout Myself“ oder auch bei der Nummer „Music Ain’t My Thing“ ein wenig zu schmunzeln.

Auch Quintense (Sabrina Häckel, Katrin Enkemeier, Carsten Göpfert, Jonas Enseleit und Martin Lorenz), musikalisch eher Im Bereich R&B und Jazz verwurzelt und hauptsächlich im Cover-Bereich unterwegs, hatte einige Lacher im Gepäck. Zusätzlich durfte man hier über die verrückten Effekte staunen, die menschliche Stimmbänder produzieren können. Neben harten Beats überzeugten Quintense jedoch besonders mit den leisen Nummern „Another Day in Paradise“ und „My Love“.

Ganz andere Töne schlug die reine Frauen-Band Sjaella (Viola Blache, Marie Fenske, Franziska Eberhardt, Marie Charlotte Seidel, Luisa Klose, Helene Erben) an. Im Gepäck hatten die Damen ein buntes Potpourri von Folk-Liedern aus der ganzen Welt. Gesungen wurde auf Schwedisch, Syrisch, Hebräisch und Englisch: Eine kleine Weltreise für die Ohren.

Den Abschluss des Abends bildete die Band Slixs (Katharina Debus, Michael Eimann, Gregorio Hernàndez, Karsten Müller, Thomas Piontek und Konrad Zeiner), die mit ihrem mitreißenden verrückten jazzigen Stilmix, wo auch schon mal vielstimmig eine Big Band imitiert wurde, das Programm würdig abschlossen.

Dass mit einem einzigen Instrument, der menschlichen Stimme, eine so große Vielfalt an musikalischen Richtungen erschlossen werden kann, war eine der Take Home Messages des Abends. Dass Singen Spaß macht, wohl eine andere. Die Ankündigung des nächsten A Cappella Wettbewerbs und die Aufforderung, man könne doch mal die Nachbarn fragen, ob die nicht eine Band gründen wollen, sorgte jedenfalls für einiges an Diskussionsbedarf im Saal.

Text: Julia Weber

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Glitzernd – Dinnershow „Celebration“ im Historischen Stadtbad Leipzig

Seit einigen Jahren gibt es in der Vorweihnachtszeit die Dinnershow im Historischen Stadtbad, bei der die Gäste neben einem vier Gänge Menü eine Variété Show der besonderen Art geboten bekommen. In diesem Jahr steht die Show unter dem Motto „Celebration“ und vereint Akrobatik und Comedy mit der Musik der Achtzigerjahre.

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(C) Exclusiv Events Leipzig

 

Die Dekoration der Location ist ein etwas wilder Mix aus Weihnachtlichem und Disco. Die Kostüme greifen das letztere Thema auf. Mehr Glitzer! Mehr Pailletten! Mehr Spaß!

„Celebration“ (Regisseur: Lutz Weber) ist Variété in seiner Urform. Hier treffen Musik, Akrobatik, Zauberkunst und Comedy aufeinander. Manche der Nummern lassen sich ganz klar einer dieser Kategorien zuordnen, andere verbinden auch mehrere Elemente miteinander.

Diva La Kruttke ist mal wieder zu haben und hat ihre Online-Bekanntschaft LongJohn69 zu ihrem Fanclub-Abend eingeladen, soweit die Storyline, die sich um das bunte Programm von „Celebration“ spinnt. Dies ist einerseits ein halbherziger Versuch, die aneinander gereihten Showelemente irgendwie miteinander zu verknüpfen, andererseits aber auch eine Möglichkeit, die vierte Wand von Anfang an einzureißen und das Publikum Teil der Show werden zu lassen und einen Übergang zwischen den Show-Teilen und dem Menü zu schaffen. Dies ist einigermaßen gelungen, auch wenn die erste Unterbrechung, bei der die Suppe gereicht wird, recht lang erscheint.

Die Zauberkunst-Einlagen von Daniel Craven hat man so oder so ähnlich vorher schon einmal gesehen, was die Lösung der allgemeinen Frage „Wie zum Teufel geht denn das?“ allerdings keinen Schritt näher gebracht hat.

Akrobatisch bewegen sich alle bei „Celebration“ vorgestellten Künstler auf extrem hohem Niveau. Sei es die Hand-Balance, die Catalina Palma Aguirre zeigt oder Isabel Anobians aufregende Aerial-Nummern. Besonders Dua Vessos Stangen-Kletterei sorgt für Überraschungsmomente. Der junge Brasilianer trägt normale Straßenkleidung und lässt die körperlich extrem anstrengenden Übungen so aussehen, als könne man das nach Ende der Show draußen auch mal selbst ausprobieren. Auch das Duo Meleshin sorgt mit seiner „Balance auf schwankenden Rollen“ für angehaltenen Atem im Publikum. Sympathieträger des Abends ist sicherlich Paul Ponce, der humorig und stets mit einem breiten Lächeln im Gesicht mit diversen Gegenständen vom Fußball bis zum Strohhut jongliert.

Musikalisch unterstützt und zusammengehalten wird der Abend von der Band Nightfever und der Show-Ballett Golden Éclair. Nightfever Frontsängerin Pavi de Mayo überzeugt mit ihrer rockigen Interpretation von Adeles „Rolling in the Deep“, Katy Perrys „I Kissed A Girl“ oder auch dem Klassiker „What a Feeling“. Daneben verblassen die Leistungen der beiden singenden Herren fast ein wenig. Die Musik als Herzstück der Show ist im vorderen Bereich des Saales grundsätzlich etwas zu laut, was zu einem Echo-Effekt führt, der den Genuss der wirklich hervorragenden Interpretation der schmissigen Songs etwas schmälert. Weniger wäre hier manchmal mehr.

Peter Shubs deutsch-englische komödiantische Einlagen und auch die Auftritte der Diva La Kruttke sorgen für Erheiterung, auch wenn manche der Witze etwas flach daher kommen. Wer nach Tiefgründigem sucht, ist hier jedoch sowieso an der falschen Adresse. „Celebration“ möchte vor allem eines: gut unterhalten. Und dieses gelingt der gut dreieinhalbstündigen Dinnershow durchaus.

Text: Julia Weber

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Düster – „Jekyll & Hyde“ in der Musikalischen Komödie Leipzig

Robert Louis Stevenson schrieb 1886 die Novelle „The Strange Case of Dr Jekyll and Mr Hyde“ in Anlehnung an die wahre Geschichte des Edinburgher Kriminellen William Brodie. Seitdem gab es eine ganze Reihe von Adaptionen des Stoffes für Theater und Film. Die Musicalfassung mit der Musik von Frank Wildhorn und Texten von Leslie Bricusse gibt es seit 1990. Die erste Aufführung in der Musikalischen Komödie Leipzig (Inszenierung: Cusch Jung) liegt inzwischen auch bereits sieben Jahre zurück, was der Faszination der Geschichte jedoch keinen Abbruch tut.

Jekyll & Hyde

Foto: Andreas Birkigt

 

Die Geschichte um Dr Jekyll, der in einem Selbstversuch sein Serum testet, das das Gute im Menschen vom Bösen trennen soll und dabei sein böses Alter Ego Mr Hyde erweckt, ist hinreichend bekannt.

In der Musikalischen Komödie spielt Marc Clear die Hauptrolle mit schauspielerischer Finesse. So aufrecht, freundlich und Gentlemanlike sein Dr Jekyll ist, so animalisch und ruchlos ist sein Mr Hyde. Auch stimmlich hat Clear einiges zu bieten, wenn auch bei Jekylls Hymne „Dies ist die Stunde“ ein wenig das Volumen fehlt.

Lucy Scherer als Jekylls Verlobte Lisa Carew ist klein, niedlich und süß, manchmal sogar etwas zu süß. Denn wer glaubt wirklich, dass Lisa in der tragischen Szene in der sie Jekyll in seinem verwüsteten Labor vorfindet, immer noch lächeln würde?

Jeffery Krueger als John Utterson bleibt neben seiner mehr als soliden schauspielerischen Leistung vor allem dadurch im Gedächtnis, dass seine Gesangspassagen durchweg die am besten verständlichsten sind.

Julia Lißel als Lucy Harris ist schauspielerisch wie gesanglich umwerfend. Sei es die schmissig-sexy Nummer „Schafft die Männer ran“ oder ihre zerbrechliche Darbietung in „Ein Leben“, Lißel meistert ihre Rolle mit Bravour. Insbesondere ihr Duett mit Scherer in „Nur sein Blick“ geht unter die Haut.

Das Bühnenbild ist düster gehalten, ebenso wie die viktorianisch angehauchten Kostüme, in deren Einheits-Schwarz nur ab und an mal ein Farbklecks aufblitzt (Bühne: Karin Fritz; Kostüme: Sven Bindseil). Lediglich in der „Roten Ratte“ geht es etwas bunter her, wenn sich die käuflichen Damen in ihren roten Korsetts räkeln. Ein sehr schöner Einfall ist hier auch die Aerial-Akrobatik-Einlage von Maria Kreß.

Die Chor-Nummern sind wie immer hübsch anzusehen und – wenn nicht einmal mehr die Technik streikt – auch ein echter Ohrenschmaus. Wie immer in der Musikalischen Komödie scheint es ab und an unmöglich, die Mikrofonierung und das hervorragende Live-Orchester (Musikalische Leitung: Tobias Engeli) perfekt miteinander harmonieren zu lassen, aber darüber sieht man schnell hinweg angesichts eines wirklich spielfreudigen Ensembles. Gleich zu Anfang wird das Publikum mit „Fassad’“ in die Zwei-Klassen Gesellschaft in London Ende des 19ten Jahrhunderts mitgenommen. In der „Roten Ratte“, dem Puff in dem Lucy arbeitet, geht es ganz schön heiß her, wenn dort dem Laster recht plastisch und anschaulich gefrönt wird. „Jekyll &Hyde“ ist kein Familien-Musical und so werden die Morde, die Hyde an seinen Widersachern verübt, nicht nur vollkommen ungeschönt, sondern zusätzlich in Zeitlupe dargestellt.

Es ist eben eine düstere Geschichte aus einer düsteren Epoche, die man als Zuschauer miterlebt. Im Vergleich zu anderen Inszenierungen fallen einige Änderungen auf. Wer die CD-Aufnahme aus Wien kennt, wird Jekylls Song „Die Welt ist völlig irr“ vermissen. „Mädchen der Nacht“, gewöhnlich ein Duett zwischen Puffmutter Nelly und Lucy, die von ihrem besseren Leben träumt, rückt in der Leipziger Inszenierung etwas weiter nach hinten und wird zur Totenklage Nellys über die ermordete Kollegin. Dass ein Teil des Textes dadurch nicht mehr hundertprozentig passen will und es ein wenig so wirkt als würde Nelly sich ständig selbst widersprechen, ist für Kenner wohl störender als für jene, die die anderen Fassungen noch nie gehört haben.

Wer andere Produktionen kennt, sollte sich ebenfalls bewusst sein, dass es verschiedene deutsche Textfassungen gibt. Ob man die Variante von Melitta Edith oder die in Leipzig gespielte Fassung von Susanne Dengler und Eberhard Storz bevorzugt, ist dabei sicherlich Geschmackssache. Die Frage, die sich allerdings weiterhin in allen Text-Varianten stellt ist, was „Wenn der Moment des Augenblicks in mir erwacht“ in „Dies ist die Stunde“ eigentlich bedeutet.

Alles in allem garantiert „Jekyll & Hyde“ in der Musikalischen Komödie einen schaurig-schönen Abend mit hervorragenden Darstellern und musikalischen Glanzmomenten.

Text: Julia Weber

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Wer auf Reisen geht, der hat was zu erzählen, der bringt Erinnerungen und Fotos mit zurück und ist danach bestenfalls um einige Erfahrungen reicher. Aus dem Alltag ausbrechen und auf Reisen gehen, das geht auch mit einem guten Buch oder guter Musik. Und gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer und grauer und dunkler werden, locken gleich eine ganze Reihe Konzerte und Veranstaltungen, dem Alltag auf die eine oder andere Weise zu entfliehen.

Quadro Nuevo laden ein auf eine Reise auf dem fliegenden Teppich. Die vier Musiker, die insgesamt neun Instrumente spielen, stellen ihr neues Album „Flying Carpet“ am 12. November in der Moritzbastei Leipzig vor. Auf eine Reise nach Westeros und Essos kann man sich bei „The Music of Game of Thrones“ live in Concert gehen. Die Konzert-Tour gastiert am 17. November im Berliner Tempodrom und am 22. November im Leipziger Gewandhaus. Währenddessen setzt in der Deutschen Oper Berlin am 18. November einmal wieder Wagners „Der Fliegende Holländer“ die Segel.

Wer möchte, kann auch auf Zeitreise gehen und sich im Gewandhaus Leipzig bei „Saturday Night Fever“ ins Nachtleben der achtziger Jahre stürzen. Noch weiter in die Vergangenheit entführt die Wiederaufnahme von „Jekyll & Hyde“ am 10. November in der Musikalischen Komödie in Leipzig. Wem das immer noch nicht genug Historie ist, für den gibt es in der Komischen Oper Berlin den augenzwinkernd-modernen Trip ins Altertum mit „Die schöne Helena“ von Jacques Offenbach. Brandaktuell und ganz im Hier und Jetzt verwurzelt kann man am 24.11. zum ersten Mal eine ganze Reihe renommierter Vokalensembles beim „Vokalrausch“ im Felsenkeller Leipzig erleben.

Da wird der November doch gleich weniger grau und dunkel.

Erstellt am von jwmusikultur | Hinterlasse einen Kommentar