Zwischen Mittelalter und Moderne – Nacho Duatos „Romeo und Julia“ in der Staatsoper Berlin

Shakespeares Romeo und Julia ist immer noch eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Welt. Die Faszination, die der Stoff heute noch ausübt, ist sicherlich auch den vielen musikalischen und visuellen Adaptionen geschuldet.

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Foto: Fernando Marcos

In der Staatsoper feierte am Wochenende Nacho Duatos Neuinszenierung der Ballettfassung zur Musik von Sergej Prokofiev Premiere. Damit reiht sich der Choreograph in eine ganze Reihe illustrer und bekannter Namen, die sich an diesem Stoff bereits versucht haben. Mit die bekanntesten Fassungen dürften die Inszenierungen von John Cranko und Kenneth McMillan sein. Anspielungen und Anlehungen an diese Fassungen schimmern in der Neuinszenierung immer wieder durch, auch wenn die Choreographie sehr viel moderner gestaltet wurde. Eine der größten Veränderungen zu den klassischen Fassungen ist der gänzliche Verzicht auf Spitzenschuhe. Nicht einmal Julia (Polina Semionova) tanzt in der Neuinszenierung en pointe. Hinter dieser Entscheidung steht der Versuch, die Figuren fassbarer, realer werden zu lassen. Tatsächlich wirkt das Bild von Julia als junger, verliebter Frau hier stärker und glaubhafter. Allerdings hat das Einbinden der typischen Duato-Bewegungen auch seine Nachteile. Die spastischen Zuckungen der Protagonistin in der Sterbeszene wirken beispielsweise eher unpassend zum Rest der Performance.

Highlight des Abends sind neben den Pas de Deux von Ivan Zaytsev a. G. (Romeo) und Polina Semionova (Julia) die Darbietungen von Alexej Orlenco (Lord Capulet) und Aurora Dickie (Lady Capulet). In beiden Fällen stimmt merklich die Chemie zwischen den Tänzern, formen Schauspiel und Tanz eine wunderbare Einheit.

Duato selbst nennt die Verfilmung von Franco Zeffirelli von 1969 eine seiner größten Inspirationen. Tatsächlich erinnern die Kostüme (Angela Atlagic) stark an diesen Kinofilm und Romeos Löwenmaske ist beinahe identisch zu der, die Leonard Whiting trug.

Das Bühnenbild ist so simpel wie genial. Vertikal verschiebbare Wandelemente können hoch und runter gefahren werden. So entstehen die Säulen im Hause Capulet, Julias Fenster oder auch das Kreuz am Kirchenaltar. Einziges weiteres Bühnenelement ist ein Podest mit ausziehbaren Treppenelementen.

Die Staatsoper erstrahlt nach ihrer Renovierung in neuem Glanz und bietet insbesondere akustische Genüsse der Extraklasse. Die Staatskapelle Berlin (Musikalische Leitung: Paul Connelly) klingt vom Pianissimo bis zum Fortissimo stets glasklar. Im Parkett ist allerdings teilweise die Sicht auf die Bühne stark eingeschränkt, was den Genuss der Vorstellung für den Zuschauer etwas schmälert. In einigen der Ausweichs-Spielstätten des Staatsballets war dieses Problem wesentlich weniger prominent. Hat man allerdings das Glück, freie Sicht auf die Bühne genießen zu können, ist diese Neuinszenierung von „Romeo und Julia“ absolut sehenswert.

Text: Julia Weber

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