Gleich mehrere Produktionen, die etwas mit Berlin zu tun haben, sind unter den Nominierungen für den Deutschen Musical Theater Preis zu finden. Die Grazer Produktion von „Grimm“ ist gleich in  vier Kategorien nominiert (Komposition, Buch, Darsteller, Kostüm/Maske). „Alma und das Genie“ (ab nächste Woche wieder im Comedyclub Kookaburra zu sehen) kann auf Auszeichnungen in den Kategorien „beste Liedtexte“ und „beste Darstellerin“ hoffen.

Weitere mehrfach-Nominierungen erhielten „Gefährliche Liebschaften“ (München), „Der kleine Störtebecker“ (Hamburg), „Ost Side Story“ (Zürich), „Das Wunder von Bern“ (Hamburg), „Pünktchen und Anton“ (Bonn), „Superhero“ (Wiesbaden) und „Lotte“ (Wetzlar).

Der Ehrenpreis der Deutschen Musical Akademie geht an Peter Weck, dem Gründer der Vereinigten Bühnen Wien.

Die Verleihung der Preise findet am 26. Oktober im Tipi an Kanzleramt statt.

Text: Julia Weber

Quelle: Deutsche Musical Akademie

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Hoppla! Da ist uns ein Schnitzer unterlaufen und waren die News doch tatsächlich „unfertig“ online gegangen. Das haben wir nun ausgebügelt.

Was erwartet uns in der neuen Spielzeit? Das Schlossparktheater hat ein Jugendensemble gegründet. Außerdem gibt es am 18.10. mit „Das Girl aus Reihe 17“ eine Musical-Hommage an das Kino zu sehen. Ab dem 10.11. sorgen Ilja Richter und Barbara Kreisler-Peters mit „Liebeslieder am Ultimo“ wieder für gute Unterhaltung. Ein Highlight der Spielzeit wird wohl „Amadeus“ werden. Premiere des Stücks um Mozart und Salieri ist am 5.9.

Auch an der Staatsoper treibt Wolfgang Amadeus sein Unwesen. Am 7. November feiert hier „Le Nozze die Figaro“ Premiere.

Die Komische Oper bleibt weiter auf Operettenkurs. So steht ab 2. Oktober eine Neuauflage von Hoffmann’s Erzählungen auf dem Spielplan. Ab dem 8. Oktober gibt es die Wiederaufnahme von „West Side Story“. Im November folgt mit „My Fair Lady“ dann ein weiterer Musical-Klassiker.

An der Deutschen Oper darf man sich neben den Premieren von Giacomo Meyerbeers „Vasco da Gama“ im Oktober und Giuseppe Verdis „Aida“ im November unter anderem auch auf eine konzertante Aufführung von Vincenzo Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ Anfang nächsten Jahres freuen. Vorher gibt es am 28. und 29. August noch zwei Aufführungen von Berlioz‘ Version der Geschichte um „Roméo und Juliette“. Für das jüngere Publikum, gibt es in der Tischlerei ab 2. Oktober „Die Irrfahrten des Odysseus“, eine Co-Produktion mit dem Theater an der Parkaue.

Das Staatsballett nimmt „Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere.“ wieder ins Programm. Auch „Dornröschen“ steht wieder auf dem Spielplan. Gespannt darf man auf den 22. Oktober sein. Dann wird die jüngste Co-Produktion der Choreographen Nacho Duato („Castrati“), Ohad Naharin („Secus“) und Jiří Kylián („Petite Mort“) uraufgeführt.

In der Neuköllner Oper wird ab 15.10. „Pizzeria Anarchia“ gespielt: In der Wiener Innenstadt versucht ein Vermieter seine Mieter zum Auszug zu bewegen indem er eine Horde Punks anheuert. Doch die Idee geht nach hinten los. Die Koproduktion von Balletto Civile, Parma, Teatro delle Tosse, Genua und Musiktheatertage Wien wird als „bunte Show zwischen Zirkus und Oratorium ein internationales Musik-Tanz-Theater“ angekündigt. Ab dem 19.11. gibt es außerdem die Wiederaufnahme  von „Grimm“.

Wem der Sommer noch nicht heiß genug war, dürfte bei „Wet Temptation“ im Admiralspalast vom 27. bis 29. August auf seine Kosten kommen. Die Mischung aus Tanz und Akrobatik unter strömendem Regen verspricht laut Veranstalter „einen unvergesslichen Abend mit überwältigenden Emotionsausbrüchen“. Im September bringt die Atlanta Stage Company hier „Der Zauberer von Oz“ von Harold Arlen und E. Y. Harburg auf die Bühne.

Wir wünschen einen guten Start in die neue Spielzeit!

Text: Julia Weber

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Frisch und humorvoll: “Der Hauptmann von Köpenick – Das Musical” im Köpenicker Rathaushof

Ausgerechnet im Rathaushof des Köpenicker Rathauses wird noch bis zum Ende des Sommers “Der Hauptmann von Köpenick” als Musical aufgeführt (Regie: Heiko Stang). Die bekannte Geschichte gewinnt durch spritzige Chroreographien, mitreißende Musik und grandioses Schauspiel aller Beteiligten.

HvK-Block

Foto: Holger Martens

In der Schule hat wohl fast jedes Kind Carl Zuckmayers “Der Hauptmann von Köpenick” einmal durchgenommen. Die Geschichte um Wilhelm, der sich im alten Preußen eigentlich nur Pass und Aufenthaltsgenehmigung besorgen möchte, dabei jedoch an der Willkür der Behörden und der Heiligkeit des Militärs scheitert und sich letztere schließlich zu Nutze macht, um das Köpenicker Rathaus zu besetzen, beruht auf einer wahren Begebenheit. Friedrich Wilhelm Voigt gab es wirklich und die Besetzung des Rathauses ist auch keine Erfindung.

Umso großartiger ist die Idee, das auf Zuckmayers Theaterstück basierende Musical im Köpenicker Rathaushof aufzuführen, am Ort des Geschehens also. Umgeben von den roten Backsteinmauern wird das Publikum auf eine Zeitreise geschickt. Das Dach der Bühne ziert ein Bildnis des Kaisers mit Pickelhaube, hinten über den Kulissen prangt der Preußen-Adler. Die Kostüme und Uniformen sind originalgetreu der Zeit um 1900 nachempfunden (Kostüm: Antje Schrader). Vor der Veranstaltung wird das Publikum darauf hingewiesen, dass “Det Bannen der Veranstaltung auf Fotoplatten und det Mitschneiden auf Schellackplatten” untersagt ist. Willkommen in der Kaiserzeit!

Man muss den Berliner Dialekt nicht selbst sprechen können, doch wenn man alle Pointen verstehen möchte, sollte man ihn zumindest passiv beherrschen. Das gesamte Stück wird berlinert was das Zeug hält. Lediglich Hauptmann von Schlettow (Dirk Weidner) spricht ein gekünstelt wirkendes Hochdeutsch. Die Handlung folgt der des Zuckmayer Stücks und auch die Dialoge wurden diesem zum Großteil entlehnt.

Die Musik von Heiko Stang, die von einer neben der Bühne platzierten Big Band live gespielt wird, fügt sich nahtlos in dieses Grundgerüst ein. Auch hier wurde Wert darauf gelegt, die Zeitreise perfekt zu machen. Wormser’s “Haltung” ist ein typischer Militärmarsch. “Ick bin die Friederike” im Café National lässt an die Roaring Twenties denken und Wilhelms Duett mit Liesken “Die Herzen werden wieder leicht” erinnert an alte Volksweisen. In einigen Stücken, wie etwa in “Jeder Mensch braucht einen Platz” gibt es gewagte Rhythmus- und Tempi-Wechsel, die für ein Musical eher ungewöhnlich sind, jedoch für schöne Kontraste sorgen.

Die Choreographien von Doris Marlis, Michael Apel und Nini Stadlmann spiegeln die Musik wieder. So findet man schon im ersten Ensemble-Stück “Wie schön ist es im Grünen” sowohl Polkaschritte als auch eine Stepp-Einlage wieder. Schauspielerisch wie gesanglich ist die gesamte Besetzung top. Ein besonderes musikalisches Highlight ist sicherlich das Quartett “Irgendwann” am Ende des ersten Aktes. Wilhelm (Maximilian Nowka), Maria (Ina Wagler-Fendrich), Friedrich (Björn Ole Blunck) und Liesken (Juliane Maria Wolff) singen hier vierstimmig teilweise im Quodlibet wobei sich die grundverschiedenen Stimmen der Darsteller zu einem einzigen nahtlosen Klangteppich fügen.

Auch die Dynamiken zwischen den Schauspielern stimmen. Der Kontrast zwischen dem eigentlich soliden Wilhelm und seinem Hallodri-Kumpel Kalle kommt schön zur Geltung. Franz Frickel als Kalle spielt wirklich hervorragend. Seine Paradenummer “Harzer”, bei der er die Vorzüge des Käses besingt, passt dann auch in seiner gesamten Albernheit hervorragend ins Konzept der Figur und sorgt für jede Menge Lacher aus dem Publikum.

Auch Wilhelms Beziehung zu Liesken ist glaubhaft. Obwohl die beiden nur für eine einzige Szene und ein Lied alleine zusammen auf der Bühne stehen, schaffen es Nowka und Wolff die tiefe Verbundenheit der Beiden zu vermitteln.

Zuckmayers Stück hat eine Fülle von Figuren, sodass im Musical teilweise Doppel- oder Dreifachrollen entstehen. So verkörpert Juliane Maria Wolff sowohl die Plörösenmieze im Café National als auch das kleine kranke Liesken, “Friedrike” Ina Wagler-Fendrich ist zugleich Wilhelms Schwester Maria und Jesse Garon (Wabschke) und Dennis Weißert (Willy) tauchen gleich vier oder fünf mal in unterschiedlichen winzigen Nebenrollen auf.

Der Zuschauerraum wird immer wieder mitbespielt. Wenn Wilhelm Voigt in seiner Hauptmanns-Uniform zum Rathaus marschiert, nimmt er den langen Weg durch die Reihen und schnauzt in preußischer Manier einen Herren an, “Sitzen se mal gerade!”. Auch das “Extrablatt” mit den Neuigkeiten um die Besetzung des Rathauses wird vom Zeitungsjungen im Publikum verteilt. In der Rathausszene rückt außerdem einer der Balkone ins Scheinwerferlicht.

Die Komik von “Der Hauptmann von Köpenick” wird durch die Musik ebenso unterstützt wie die traurigen Momente. Lieskens Tod ist so ein Moment, der ohne großen Kitsch daherkommt und lediglich durch die instrumentale Wiederholung des Themas aus “Die Herzen werden wieder leicht” untermalt wird.

Wenn nach dem Ohrwurm-Finalstück “Der Held von Köpenick” Wilhelm noch einmal zu Wort kommt und philosophisch rät: “Lach dir nen Ast und setz dir druff und baumel mit de Beene” geht man als Zuschauer sicherlich mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Text: Julia Weber

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Fröhlich: “Hammerfrauen” im Berliner Kabarett Theater “Die Wühlmäuse”

Das Musicalgenre lebt davon, dass Menschen mit ungewöhnlichen Ideen beschließen, daraus Musiktheater zu machen. “Hammerfrauen” (Buch: Robert Löhr) im Berliner Kabarett Theater “Die Wühlmäuse” ist das Produkt einer solchen ungewöhnlichen Idee. Das Stück unter der Regie von Craig Simmons ließe sich auch als “Eine Nacht im Baumarkt” zusammenfassen. Das klingt zunächst etwas seltsam, funktioniert dank starker Darsteller, schmissiger Musik (Benedikt Eichhorn) und liebenswerter, witziger – wenn auch nicht klischeefreier – Figuren jedoch hervorragend.

Die Wuehlmaeuse am Theo "Hammerfrauen" Fotoshooting am 12.03.2015                                                     Foto: Claudius Pflug

Foto: Claudius Pflug

Julia (Julia Meier) und Mark (Christian Miebach) wollen heiraten. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch es gibt ein riesengroßes Problem: Mark ist begeisterter Heimwerker und Julia hat irgendwie verpasst, ihrem Verlobten zu erklären, dass sie sich damals nur im Baumarkt über den Weg gelaufen sind, weil sie eine neue Klobürste kaufen wollte. Die Vorstellung, eine alte Mühle im Brandenburger Land zu sanieren und das zu ihrem Lebensprojekt zu machen, ist ihr ein Gräuel und als ihr zukünftiger Ehemann ihr freudestrahlend den Hochzeitstisch im Baumarkt zeigt, auf dem sich statt Messersets und Obstschalen eine chinesische Flachsäge, ein Sack Zement und ein riesiger Hammer stapeln, zweifelt sie daran, ob es wirklich die richtige Entscheidung war, “Ja” zu sagen. Ob der Heimwerker-Kurs nur für Frauen, zu dem Mark sie angemeldet hat, da Abhilfe schaffen wird?

Sie lernt die beiden Baumarktangestellten Enno (Michael Frowin) und Patrick (Marco Billep) kennen. Enno ist der superkorrekte Heimwerker-Halbgott aus dem “Fliesen legen” Video, Patrick ist zwar nicht mit viel Hirn dafür aber mit einem Adoniskörper ausgestattet. Die beiden sind an jenem Abend verantwortlich für den “Fliesen legen” Kurs, bei dem es recht feuchtfröhlich zugeht.

Mit Hausfrau und Mutter Cornelia (Caroline Beil), deren Mann das ganze Haus “kaputtrenoviert” hat, “Lesbe” Yvonne (Isabel Varell) und Partyqueen Kim (Julia Klotz) trifft Julia auf drei völlig unterschiedliche Frauentypen. Trotzdem freunden die vier sich schnell an. Als klar ist, dass Julia Bedenkzeit braucht um zu entscheiden, ob sie wirklich Bob den Baumeister heiraten möchte, besetzen die vier nach Ende des Kurses kurzerhand den Baumarkt. Enno und Patrick, zunächst mithilfe von Presslufttackern und Duschschläuchen Schachmatt gesetzt, werden Zeuge einer wilden Grillparty der Damen. Doch die Nacht bringt auch Überraschungen mit sich.

“Hammerfrauen” ist in seiner Grundidee simpel. Sicherlich ist die Story nicht klischeefrei, da die generell vorausgesetzte Unfähigkeit beziehungsweise Unwilligkeit von Frauen sich mit Heimwerken zu beschäftigen, sicherlich so nicht zutrifft. Wenn man jedoch darüber hinwegsieht, dass hier einige Klischees mit Begeisterung und im Überfluss bedient werden, ist “Hammerfrauen” in erster Linie ein humorvolles und starkes Musical, das wirklich Spaß macht.

Für die Songs wurden zum Großteil Melodien wiederverwendet und mit neuen Texten versehen. Schon gleich im Anfangsstück werden deutsche Schlager vom “Bruttosozialprodukt” bis hin zur “Biene Maja” verwurstet, später kommen auch bekannte englische Popsongs dazu. Die Mischung funktioniert jedoch, ist schmissig und mitreißend.

Die Darsteller sind allesamt hervorragend. Julia Meier überzeugt mit einer für ihre zierliche Statur überraschend kräftigen Stimme, Klotz beweist als Kim bei “Cocooning” Stimmfestigkeit in den Höhen und Varells rauer, leicht brüchiger Alt in “Wie lässt man das los?” passt hervorragend zur Figur der Yvonne. Bells Rockröhre kommt bei “Freiheit! Libertad!” so richtig zur Geltung, bei dem sie auch ihre Salsa-Künste unter Beweis stellen darf. Frowin punktet durch starkes Spiel und insbesondere während “Beim Verlegen von Fliesen” komödiantisches Talent und Billep nimmt man den etwas dämlichen Frauenhelden Patrick absolut ab. Dass er auch tänzerisch einiges zu bieten hat, kann er bei “Ich bin sensibel” beweisen (Choreographie: Betty Dir).

Miebachs Figur bleibt Skriptbedingt eher blass, dafür spielt er während einiger Szenen das als Teil des Hochzeitstisches getarnte Keyboard, welches im Stück das einzige Live-Instrument ist.

“Hammerfrauen” wird niemals langweilig oder langatmig. Einige der Szenen sind wirklich urkomisch, wobei auch das Bühnenbild (Bühne und Kostüm: Esther Bätschmann) eine große Rolle spielt. Die Regale, die sich in alle Richtungen drehen lassen, könnten so auch im Baumarkt um die Ecke stehen und bieten eine Fülle an Requisiten, die bis ins Letzte ausgenutzt werden. Ob Julia sich am Anfang hinter der Arbeitskleidung vor den Eltern ihres Freundes versteckt, Enno und Patrick durch die mit Pömpeln nach oben gedrückten Klodeckel die Grillparty beobachten oder Kim im Kakerlaken-Kostüm aus der Schädlingsbekämpfung herumtanzt: Ständig gibt es Lacher aus dem Publikum.

Tiefgreifendes Gefühlsmusical ist “Hammerfrauen” sicher nicht und möchte dies auch nicht sein. Was den Zuschauer jedoch erwartet ist ein buntes, urkomisches Spektakel mit fetziger Musik und tollen Darstellern.

Text: Julia Weber

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Rock’n’Roll: „Elvis“ im Estrel Festival Center

25.07.2014

„Before Elvis there was nothing“, sagte einst John Lennon. Tatsächlich gab es davor schon eine ganze Menge, doch Elvis Presley revolutionierte die Musik. Einen Teil seiner  Geschichte kann das Publikum im Rahmen der „Stars in Concert“-Reihe im Estrel Festival Center in Berlin erleben. Einen Teil nur, denn die Schattenseiten seines Künstlerlebens werden kaum gezeigt.

Es wird wenig geschauspielert in der Show, die sich „Elvis – Das Musical“ nennt. Der größte Teil des Erzählens wird von Manager Colonel Parker übernommen (alternierend Alexander Gregor und Ian Wood), der sich auf der Bühne meist mit einem Telefon bewaffnet mit Stimmen aus dem Off streiten darf und in dieser Produktion die einzige Figur mit Tiefe zu sein scheint.

Elvis-Darsteller Grahame Patrick spielt nicht, es sei denn man zählt kurze Einwürfe zwischen den Songs und einige Ausflüge ins Publikum als Schauspielerei. Stattdessen imitiert er den King of Rock’n’Roll nach bestem Wissen und Gewissen. Stimmlich gelingt ihm dies recht gut. In den Tiefen fehlt es ab und zu aber an Volumen. Patrick beschäftigt sich auch in seiner Freizeit mit Elvis, sammelt Bilder und Tonaufnahmen, um die Rolle immer weiter zu perfektionieren. Diese Arbeit ist deutlich spürbar.

Während bei Elvis selbst die Bewegungen eine instinktive Reaktion auf die Musik waren, ist bei Patrick alles abgezirkelt. Vom Hüftschwung bis zur charakteristisch abgewinkelten Hand wirkt alles ein bisschen zu sehr gewollt. Auch nimmt man ihm den jungen Elvis – der Fokus der Show liegt eindeutig auf den Anfängen von dessen Musikkarriere – nicht mehr vollständig ab. Trotzdem reißt Patrick das Publikum mit, was sicherlich auch der hervorragenden „Stars in Concert“-Band zu verdanken ist. Der Rock’n’Roll-Sound ist authentisch, was dazu führt, dass es einige der Zuschauer gegen Ende der Show nicht mehr auf den Stühlen hält.

Als Gimmick wurde „The Stamps Quartet“ engagiert, das Elvis in den letzten sechs Jahren seiner Karriere bei Konzerten unterstützte und mit denen er gemeinsam Gospelsongs sang. Ed Enoch, der einzige verbleibende Sänger aus der Originalbesetzung, zählt inzwischen über 70 Jahre. Auf die Frage hin, wie es gewesen sei, mit Elvis auf der Bühne zu stehen, antwortet er wenig überraschend: „Es war fantastisch.“

Allgemein fehlt es der Show „Elvis“ an Überraschungen. Produzent Bernhard Kurz arbeitet in seinen Shows stets nach einem bewährten Konzept, einer Mischung aus biografischen Szenen und Hits. Beim Zusammenstellen dieser Mischung stellt sich sicherlich immer wieder die Frage, ob es wichtiger ist, eine weitere Spielszene ins Stück zu bringen, oder stattdessen einen weiteren Song ins Programm zu nehmen. Bei „Elvis“ fiel die Wahl stets auf den Song – und so folgt Schlag auf Schlag „Heartbreak Hotel“auf „It’s allright, Mama“ und „Hound Dog“ auf „Devil in Disguise“. Dabei bleiben für Fans von Elvis‘ Musik keine Wünsche offen. Dadurch, dass das Gewicht stark in Richtung Musik verschoben ist, lässt
sich jedoch darüber streiten, ob es sich immer noch um ein Musical handelt. Die Karriere des King of Rock’n’Roll wird nur bis zu den Shows in Las Vegas verfolgt. Die Ehe mit seiner Frau Priscilla und die Geburt der Kinder wird mit einer Diashow im Hintergrund von „Love me Tender“ abgehandelt. Die Schattenseiten seines Lebens werden – abgesehen von einer 20 Sekunden langen Szene, in der Elvis vor den Las-Vegas-Shows mit dem Lampenfieber kämpft – nicht einmal angedeutet.

Was bleibt, ist ein unterhaltsamer Abend mit mitreißender Rock’n’Roll-Musik. Elvis-Fans wird die Show sicherlich begeistern, ein Biografie-Musical mit Tiefgang sollte man  allerdings nicht erwarten.

Text: Julia Weber

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