Im nächsten Jahr werden sich die Sinatra-Tributes wohl häufen. Der Entertainer wäre im Dezember 100 Jahre alt geworden. Einige der Shows haben wir bereits angekündigt, mit „My Way To New York“ bringt die zwölfköpfige Band „Swing Summit“ bereits am 7. November eine weitere auf die Bühne des Admiralspalastes.

Im Wintergarten feiert am 22. Oktober die Show „Atemlos“ Premiere. Die Frage die hier beantwortet werden soll: „Wann wurde eigentlich aus Sex, Drugs & Rock’n’Roll Laktoseintoleranz, Veganismus & Helene Fischer?“ Wir sind gespannt auf die Antwort.

Im Theater am Kurfürstendamm wird noch bis Ende Oktober das Schauspiel „Wie im Himmel“ von Kay Pollak nach dem gleichnamigen Kinofilm gespielt. Hier folgt danach die Wiederaufnahme eines weitere Stückes, das durch die Verfilmung 2014 bekannt wurde: „Eine Familie – August: Osage County“.

Bereits letzte Woche feierte „Christzilla“, das neueste Projekt des Ensembles Estragon aus Berlin-Buckow Premiere. Die Geschichte: In ferner Zukunft wird auf Anraten der Kammerdiener der Päpstin (!) aus der DNA vom Turiner Grabtuch ein Christus-Klon geschaffen, das auf der Erde „aufräumen“ soll.

Für jene, die den 80er Jahren hinterhertrauern ist die ab dem 19. November im Coupé Theater gespielte Revue „Girls Night –Girls Just Want To Have Fun“ wohl ein Muss. Die Zusammenstellung der Songs verspricht zumindest jede Menge Nostalgie von „It’s Raining Men“ bis „Lady Marmalade“.

Text: Julia Weber

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Bild- und Stimmgewaltig – „Les Contes d’Hoffmann“ in der Komischen Oper

Foto: Monika Rittershaus

Barrie Koskys Neuinszenierung des letzten, unvollendeten Werkes von Jacques Offenbach, ist keine leichte Muße, doch das Stück begeistert durch große Stimmen, starke Bilder und ein hervorragend spielendes Ensemble.

Ein verwirrter Mann sitzt in einem erleuchteten Flaschenmeer und brabbelt vor sich hin, von Mozart’s Don Giovanni, von der Musik und immer wieder von Stella, der Darstellerin der Donna Anna.

In Barrie Koskys Neuinszenierung von „Les Contes d’Hoffmann“ gibt es gleich drei Hoffmann-Darsteller. Zunächst ist das die Sprechrolle Hoffmann (Uwe Schönbeck), die durch die Handlung führt, sich erinnernd an oder fantasierend von Begegnungen mit drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. An seine Seite treten zwei Alter Egos, im ersten Akt Hoffmann II (Dominik Köninger), im zweiten Akt Hoffmann III (Edgaras Montvidas). Ebenso stets an seiner Seite: Die Muse (Karolina Gumos), die ihn verfolgt und stets zu schützen versucht, die er jedoch ein ums andere Mal wegstößt.

Das Stück beeindruckt vor allem durch starke, wenn auch oft abstrakte Bilder (Bühnenbild und Kostüm: Katrin Lea Tag). Dabei geht es eher minimalistisch zu. Der Hintergrund ist schwarz. Ein schwarzes bewegliches Quadrat bewegt sich scheinbar schwebend im Raum. Requisiten beschränken sich auf das Nötigste. Farben werden als Akzente in den Kostümen – wie etwa beim gelben Barock-Ensemble der Muse im ersten Akt – in einer eher farblos schwarz-weißen Welt eingesetzt.

Die Sprechtexte, entlehnt aus E.T.A. Hoffmann’s “Don Juan” und anderen seiner Werke, werden auf Deutsch vorgetragen. Schönbecks Darstellung liegt dabei irgendwo zwischen Irrenhaus und Marcel Reich Ranicki. Die Gesangstexte hingegen wurden im Französischen belassen. Dadurch mag dem einen oder anderen Zuschauer ein Detail entgehen, doch auch wenn man der Sprache nicht mächtig ist und nicht ständig aus dem Augenwinkel den mitlaufenden deutschen Text an der Rückenlehne des Vordersitzes verfolgen möchte, begeistert “Les Contes d’Hoffmann” in jeder Minute.

Dies ist vor allem auf die grandiosen Stimmen der Darsteller zurückzuführen. Karolina Gumos starker Mezzosopran und Dominik Köningers warmer Bariton sind es, die in der ersten Hälfte besonders begeistern. Die Walzer-Sequenz am Ende des zweiten Aktes ist dann auch eines der Higlights der Vorstellung.

Nicole Chevalier, der die Aufgabe zufällt, gleich alle von Hoffmann’s Geliebten zu spielen, glänzt mit glockenreinem Sopran und niemals übertriebenem Vibrato. Ihre Darstellung der Olympia sorgt für mehr als einen Lacher im Publikum und als Kurtisane Giulietta sorgt sie im dritten Akt gemeinsam mit Edgaras Montvidas‘ Hoffmann III für ordentlich Bühnenerotik. Die Stimmen der beiden ergänzen sich perfekt und balancieren sich gegenseitig aus.

Als Figur des Bösewichts in all seinen möglichen Inkarnationen tritt Dimitry Ivanshchenko in Erscheinung. Sein dunkler Bass kontrastiert mit der helleren Stimme Hoffmanns. Auch schauspielerisch nimmt man ihm ohne weiteres sowohl den schmierigen Lindorf als auch dem gruseligen Augenverkäufer Coppelius problemlos ab.

Hoffmanns Trip durch die menschlichen Abgründe und Ängste ist manchmal erschütternd, manchmal belustigend und manchmal brutal, immer jedoch unterhaltsam – bis zur letzten Minute, in der Hoffmann I aus dem Sarg heraus im Duett mit der über ihn wachenden Muse das “La ci darem la mano” aus Mozarts Don Giovanni singt.

Text: Julia Weber

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Makaberer Spaß – “Sarg niemals nie” in der Bar Jeder Vernunft

Bereits im Jahr 2013 feierte “Sarg niemals nie” seine Berliner Premiere in der Neuköllner Oper. Jetzt ist das Musical in der Bar Jeder Vernunft zu sehen und garantiert einen kurzweiligen, schwarzhumorigen Abend.

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Foto: Sonja Hornung

Der Bestattungsunternehmer ist gestorben und hat seinem Sohn David (Patrik Cieslik) ein reichlich marodes Geschäft hinterlassen. Haushaltshilfe Dakmar (Yvonne Greitzke) hilft, wo sie nur kann und hofft bei jedem gemeinsam gerauchten Joint darauf, dass er etwas verklemmte David es endlich auf die Reihe bekommt, den ersten Schritt hin zu einer Beziehung zu machen, die über das Geschäftliche hinausgeht. Gerade als David eingesehen hat, dass trotz guter Ideen – IKEA Schränke lassen sich mit etwas heimwerkerischem Geschick hervorragend zu Särgen umfunktionieren – die Insolvenz drohnt, taucht Bruder Tim (Michael Starkl) auf. Vor acht Jahren nach Indien ausgewandert um der stetigen Präsenz des Todes zu entfliehen, kommt er nach Hause, weil er Geld braucht. Doch woher soll das Geld kommen? Eine Idee muss her. Ein dummer Zufall führt zu einer ungewöhnlichen Entdeckung: Die Asche des verstorbenen Herrn Schmitt sorgt in Verbindung mit dem gewöhnlichen Gras für ungeahnte bewusstseinserweiternde Höhenflüge. Die drei beschließen, das Zeug zu verkaufen. Bald klingelt die Kasse und bald darauf die Polizei.

“Sarg niemals nie” ist das erste Musical aus den Federn von Dominik Wagner und Jörg-Felix Alt und für ein Erstlingswerk prächtig gelungen. Die schmissige Musik von Christoph Reuter und Cristin Claas ist mitreißend und spritzig. Der Text (Dominik Wagner) holpert hier und da zwar noch ein wenig, doch das fällt nur sehr selten auf. Dazu kommt, dass einige der schrägen Ideen dies mehr als wett machen: So beispielsweise, dass die Bestatter-Ketten “MacSarg”, “BurgerSarg” und “Sargkozy” es dem kleinen Familienunternehmen schwer machen, sich auf dem Markt zu behaupten.

Das liegt vor allem an dem wirklich hervorragenden Trio aus Patrik Cieslik, Yvonne Greitzke und Michael Starkl, die ihre Charaktere authentisch spielen und sie zu liebenswerten schrägen Vögeln machen, deren Geschichte man gern verfolgt. Cieslik spielt den neurotischen David perfekt von der besengeraden Haltung bis zum ständigen Hände-desinfizieren. Starkls Tim ist selbstsicher und stark und Greitzke weiß als Dakmar, ihre Reize in Szene zu setzen.

Auch stimmlich ergänzt sich das Trio hervorragend. Ob die beiden Männer in “Aus dem gleichen Holz” ihr Verhältnis zum Vater und zueinander besingen, Dakmar und David in “Ich will mit dir putzen” umeinander werben: Es macht Spaß zuzuhören und zuzusehen.

Der begrenzte Raum in der Bar Jeder Vernunft sorgt dafür, dass auch das Bühnenbild aufs Wesentliche reduziert bleibt. Doch durch den geschickten Einsatz einer Drehbühne und einzelner verschiebbarer Elemente wurde der Platz optimal ausgenutzt. Die Band unter der Leitung von Nikolai Orloff ist seitlich neben der Bühne postiert und spielt live. Die Akustik im Zelt, in dem die Bar Jeder Vernunft untergebracht ist, stellt grundsätzlich eine Herausforderung an jeden Tontechniker dar. Bei “Sarg niemals nie” gibt es allerdings keinerlei Probleme mit Übersteuerungen. Alle Texte sind klar verständlich, Band und Sänger perfekt abgemischt.

Das Stück funktioniert immer dann am besten, wenn es Fahrt aufnimmt. So sind die fetzigen Nummern, in denen die Darsteller auch ihre tänzerischen Fähigkeiten beweisen können (Choreographie: Jörn-Felix Alt), wie “Albtraum” im ersten oder “Wir machen aus Asche Asche” im zweiten Akt, die absoluten Highlights des Musicals.

“Sarg niemals nie” bietet exzellente Unterhaltung mit viel Humor, hervorragenden Darstellern und guter Musik.

Text: Julia Weber

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Spannend – “Amadeus” im Schlosspark Theater

“Amadeus”, der Film von 1984 ist den meisten Menschen ein Begriff. Die Wenigsten wissen jedoch, dass der Spielfilm auf einem Theaterstück von Peter Shaffer beruht, das bereits 1979 in London uraufgeführt wurde. Dieses Theaterstück wird nun im Schlosspark Theater gespielt (Regie: Thomas Schendel) und verspricht spannende und mitreißende Unterhaltung mit sehr guten Schauspielern.

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Foto: DERDEHMEL/Urbschat

Salieris Musik ist in Vergessenheit geraten. 32 Jahre nach Mozarts Tod vegetiert der alte Mann in einer Anstalt vor sich hin und hadert mit Gott. In einem Rückblick erzählt er die Geschichte, wie er das junge Genie kennen und hassen lernte.

Das Bühnenbild (Bühne und Kostüm: Darya Kornysheva) ist schlicht aber effizient gehalten. Zwei sich drehende Stellwände, Projektionen und einige zeitgenössische Möbel reichen aus, um die einzelnen Schauplätze darzustellen.

Die Kostüme vom Justaucorps bis hin zur Kniebundhose sind nach Vorlagen aus der damaligen Zeit geschneidert. Hier und da werden Stoffe und Farben eingesetzt, die Ende des 18ten Jahrhunderts keine Verwendung gefunden hätten. Trotzdem wirkt alles stimmig. Salieris Garderobe ist durchweg dunkel gehalten. Mozart als sein schillernder Counterpart trägt über weite Strecken eine Jacke aus gelbem Samt.

Salieri (Marko Pustišek) bewegt sich durch die Szenen, halb als Conférencier, halb als aktive Figur, wendet sich mal direkt dem Publikum zu und wird dann wieder ganz Teil des Geschehens. Beim ersten Auftritt des Königs und seiner Höflinge beispielsweise verharren diese zunächst wie eingefroren, Puppen in einem dreidimensionalen Kunstwerk, während Salieri spitzzüngig ihre Charaktereigenschaften beschreibt.

Auftritt Mozart und Konstanze: Im Vergleich zum Film-Mozart wirkt Johann Fohl etwas erwachsener, füllt die Rolle mit einem ganz eigenen, besonderen Charme. Der Zuschauer kann nicht umhin diesen Wolfgang zu lieben, der da in einer Minute völlig kindisch herumalbert um sich im nächsten Augenblick, Missstände aufzeigend, mit der Obrigkeit anzulegen und in Teufels Küche zu bringen. Vom fröhlichen Geplänkel mit Kontanze über den sozialen Abstieg bis hin zum finalen Verfall während der Komposition der Zauberflöte und des Requiems spielt Fohl hervorragend. In keiner Sekunde wirkt seine Verzweiflung aufgesetzt, seine Albernheit bemüht.

Der Konflikt mit Leopold Mozart ist nachzuvollziehen, ohne dass der gestrenge Vater auch nur einmal die Bühne betritt.

Katharina Schlothauer spielt Mozarts Gattin Constanze als starke, selbstbewusste Frau, die genau weiß, was sie will. Ihr Verhältnis zu Wolfgang wird besonders in den Streitszenen deutlich und lässt sich am Besten beschreiben als die Liebe Zweier die ohne einander nicht können, im Miteinander aber permanent aneinander stoßen.

Pustišek hat es als Salieri nicht leicht. Gerade am Ende des ersten Akts, als Salieri sich von Gott verraten glaubt und daraufhin beschließt, sich an diesem zu rächen, indem er dessen Geschöpf Mozart in die Knie zwingt, wird die Tiefe seines Glaubens und der daraus entstehenden Erschütterung nicht völlig klar.

In den Nebenrollen glänzen Oliver Nitsche als Kaiser Josef, Harald Effenberg als verklemmter Graf Strack, Harald Heinz als Graf Rosenberg und Oliver Dupont als Baron van Swieten. In den Szenen, in denen Mozarts freigeistiges Denken auf deren eingefahrene Muster trifft, macht das Stück großen Spaß: So etwa in der Diskussion um die Entführung aus dem Serail, in der sich die Darsteller zwischen den rotierenden Trennwänden bewegen – eine geschickte Darstellung einer Konversation in den weitläufigen Gängen der kaiserlichen Residenz.

Das Ensemble vervollständigen Daniel Montoya und Maria Steurich als Salieris Spione in Wien sowie als Ärzte in der Irrenanstalt. Wie der Chor der griechischen Tragödie berichten sie von jenen Dingen, die sich außerhalb der Bühnenhandlung ereignen. Maskiert und gesichtslos sind sie weniger konkrete Figuren als Metaphern für die Wiener Gesellschaft.

An den entsprechenden Stellen im Stück erklingt immer wieder die Musik, die Mozart zu jener Zeit komponierte. Nicht nur in den Passagen, in denen Mozart – vor der Bühne mit dem Gesicht zum Publikum stehend – sein Orchester dirigiert, unterstreicht diese das Geschehen. Zum Großteil ist es gelungen, die Kompositionen so geschickt in die Handlung einzuweben, dass sie als natürlicher Bestandteil des Gesamtbildes wahrgenommen werden. Lediglich an zwei Stellen bricht die Musik etwas zu plötzlich mitten im Takt ab und hinterlässt eine kurzfristig verwirrende Stille.

Insgesamt ist “Amadeus” hervorragend gespieltes Theater mit liebenswerten Figuren und großartigen Darstellern: Mitreißend und spanend bis zur letzten Minute.

Text: Julia Weber

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Unterhaltsam – „Seifen Oper – The Soap Opera “ im Wintergarten

Schon 2007 feierte die „SOAP“ im Chamäleon Theater Premiere. Nach einer Welttournee kommt die Show nun, in neuem Gewand, mit neuen Ideen und einer größeren Besetzung zurück nach Berlin und wird dort im Wintergarten aufgeführt. In eine kleine berlinerische Geschichte verpackt, die gut ins Vorabendprogramm eines Privatsenders passen würde, erlebt der Zuschauer jede Menge großartige Artistik und gute Musik (Regie: Markus Pabst & Maximilian Rambaek).

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Foto: Juergen Sendel

Immobilien-Hai Stonewood hat ein Haus im Kreuzberger Kiez gekauft und möchte dieses nun teuer an seine Klientel vermieten. Das Problem: Im Haus leben noch Menschen. Ein erster Versuch, diese zu vertreiben, indem er eine leerstehende Wohnung an eine Opernsängerin (Lina Navakaite) vermietet, scheitert jedoch. Das bunte Völkchen heißt die etwas exzentrische Diva mit offenen Armen willkommen und erträgt selbst die Variationen über die “Kreuzberger Nächte” von Rossini bis Lehar. Auch das Abstellen des warmen Wassers führt nicht zum erwünschten Ergebnis. Also schickt Stonewood seine Tochter Emily auf geheime Mission. Sie soll belastendes Material über die Mieter sammeln. Auch vor dem Versuch, das Haus durch Rattenbefall unbewohnbar zu machen, schreckt der Immobilienmakler nicht zurück. Doch das Nagetier im Keller (Ximena Ameri Cespedes) entdeckt ebenso wie Emily (Sarah Bowden) sein Herz für die schrägen Bewohner des Hauses.

Während Yoga-Lehrerin Costa Maria (Lena Ries) im Keller eine nicht angemeldete Yoga-Schule betreibt, Hausfrau Rita (Ludmila Nikolaeva) nicht nur das Chaos des Alltags mit vier Kindern jongliert und Playboy Francesco (Daniel Leo Stern) sich an sämtliche Damen im Haus – und Emily – heranmacht, ist Anwalt Ernst (Joseph Pinzon) tagsüber der aus dem Ei gepellte Anzugträger, der nachts jedoch in Frauenklamotten schlüpft. Der dauerbetrunkene Student Timmi (Anton Belyakov) und der Deutsch-Afrikaner Abiy Fikire (Adem Endris) komplettieren die Runde.

Die Story der „Seifen Oper“ ist schnell erzählt und plätschert meist eher flach und vorhersehbar dahin, widmet sich dem brandaktuellen Berliner Thema dabei jedoch mit viel Augenzwinkern und einer Menge Humor. Die Rahmenhandlung führt einmal mehr, einmal weniger reibungslos von Artistiknummer zu Gesangseinlage und zurück. Was jedoch musikalisch und akrobatisch dargeboten wird, bewegt sich auf höchstem Niveau.

Die rockige Musik, eigens für die Show komponiert von Jack Woodhead, erinnert an große Rockballaden, James Bond Filmmusik und geht sofort ins Ohr. Alles wird live gespielt. Die Band um Matt Voodoo hat sichtlich Spaß bei der Arbeit. Wer zwischendurch einmal kurz den Blick von der Hauptbühne abwendet und den fünf Musikern auf der kleinen Nebenbühne unter dem Schild „Stonewood Immobilien“ zusieht, wird sicherlich ein Grinsen kaum unterdrücken können.

Viele Elemente von “SOAP” wurden auch in die neue Show übernommen. Die Badewanne als “Swimming Pool der armen Leute” taucht in jeder Szene auf. Jeder Hausbewohner hat seine eigene Wanne, die auf unterschiedliche Art und Weise bespielt wird. Wasser ist ein zentrales Element. Meist sind die Einfälle – wie beispielsweise das “Percussion-Spucken” – immer wieder überraschend und neu. Durch die zeitliche Nähe der Handstand-Akrobatik von Belyakov Aerial Nummer von Stern tritt allerdings einmal eine ungewollte Effektwiederholung auf, wenn beide Herren mit nacktem Oberkörper und klatschnasser Hose ihr Können zeigen.

Ries‘ Contortion-Darbietung und die Aerial- und Handstandakrobatik-Einlagen von Stern, Belyakov und Pinzon sind bis zur Perfektion ausgefeilt und werden durch die hervorragende Lichttechnik noch unterstützt. Ein kleines Highlight ist aber auch das Duett von Tapdance (Bowden) und Jonglage (Endris).

Gesanglich sind sowohl Navakaite als auch Bowden grandios, auch wenn Navakaite zu Anfang der Show mit den Tücken der Technik und einem zu flach ausgesteuerten Mikrofon zu kämpfen hat. Das Duett der beiden “Fly Away” im zweiten Akt, bei dem sich Rockröhre und klassisch ausgebildete Stimme zu einem wundervollen Ganzen vereinen, hat Gänsehautfaktor.

Alles in Allem ist “Seifen Oper” eine Show voller großer Momente verpackt in eine kleine, nette, Berliner Geschichte, die gute Unterhaltung garantiert.

Text: Julia Weber

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