Stark – “Dummy Lab” im Chamäleon Theater

Im Chamäleon Theater wird dem Zuschauer eine ganz neue und beeindruckende Mischung aus großartiger Akrobatik, elektronischer Musik und düsterer Bildsprache geboten.

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Foto: Carolin Saage

Das “Dummy Lab” ist ein düsterer Ort. Schwarze Wände, auf die immer wieder Formen mit Kreide gezeichnet werden, Lichtstrahlen, die an die Datenströme in “MATRIX” oder an Spinnennetze erinnern erschaffen gemeinsam mit der Musik von Reecode und Cellistin Lih-Qun Wong eine spannende Atmosphäre (Bühne und Kostüm: Daniele Drobny).

Unter der Regie von Eike von Stuckenbrok und Markus Pabst wird die die Geschichte der Begegnung zwischen Mensch und Puppe erzählt. Doch wer ist Dummy und wer ist wirklich lebendig? Immer wieder verwischen die Grenzen: Da wird die Puppe plötzlich lebendig und trägt ihren erstarrten menschlichen Herrn von der Bühne.

Dieses Setting bietet den Rahmen für eine grandiose Zirkusshow. Sei es die beeindruckende Tuch-Aerial Nummer von Leilani Franco, die spannende Handstand-Nummer auf der Statue von Florian Zumkehr oder die atemberaubende Leistung von Alexis Vigneault im Cyr Wheel, einem riesigen Reifen, der an eine Mischung aus Hoola Hoop und Röhnrad erinnert. Alle Bewegungen werden perfekt ausgeführt. Alle Darsteller haben dabei etwas gemeinsam: Absolute Körperbeherrschung.

Ein humoristisches Highlight bieten die Video-Einlagen (Videodesign: Frieder Weiss) bei denen die Bühne schräg gestellt wird, um Effekte zu ermöglichen, die im Stehen nicht zu erzielen wären. Der Zuschauer kann Making Of und Ergebnis gleichzeitig beobachten. Die eiserne Regel der Illusionisten, niemals ihre Tricks zu verraten, wird hier mit Füßen getreten – eine Entscheidung die nicht etwa entzaubert sondern eine ganz eigene Faszination mit sich bringt.

Allgemein bietet “Dummy Lab” viele a-ha Effekte und vor allem jede Menge Spannung. Was hier geboten wird ist Akrobatik auf höchsten Niveau gemischt mit Licht- und Videotechnik der jüngsten Generation. Modern, ungewöhnlich und absolut empfehlenswert.

Text: Julia Weber

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Zeitreise – “God save the QUEEN – The Show goes on” im Konzertsaal der UdK

Freddy Mercury starb vor beinahe 25 Jahren und hinterließ eine Unmenge Hits, die er mit seiner Band QUEEN seit 1970 geschrieben hatte. Im Konzertsaal der Universität der Künste konnte sich das Publikum mit der Tribute-Band “God save the QUEEN” auf eine Zeitreise begeben. Ein Abend voller Rock’n’Roll der begeistert.

Konzertaufnahme, Q-Revival-Band, 20.02.2010, Illingen, Illipse

Foto: PD-Concerts

Die Songs von QUEEN sind gesanglich stets eine Herausforderung. Mercurys Stimme hatte in den Höhen einen enormen Tonumfang. Harry Rose, der den Entertainer in allen Facetten verkörpert – angefangen von den siebziger Jahre Klamotten bis hin zur Pose vorm Schlagzeug – macht seine Sache gut. Zwar merkt man hin und wieder besonders gegen Ende der Show, dass er doch ein wenig mit den höchsten Passagen zu kämpfen hat, doch da diese Momente hervorragend überspielt werden, indem entweder das Publikum singen darf oder Rose die entsprechende Stelle nonchalant nach unten tranponiert, fallen sie kaum auf.

Während neunzig Prozent der Show hat man das Gefühl, keine Cover-Band sondern das Original vor sich zu haben. Neben Drummer Piid Plötzer, Bassist Christoph Stowasser und Keyboarder Sebasian Simmich ist es insbesondere Gitarrist Stefan Pfeiffer der die legendäre Band wieder auferstehen lässt. Seine Soli sind ebenso virtuos und energiegeladen wie die von QUEEN Gitarrist Bryan May und sorgen für mehr als einen Zwischenapplaus.

Der Konzertsaal der UdK ist fest bestuhlt. Das Konzert in dieser Halle stattfinden zu lassen ist als die wohl einzige und größte Fehlentscheidung des Abends zu bezeichnen. Bereits während des ersten Showteils hält es einige der Zuschauer nicht auf den Stühlen, wird am Rand in den schmalen Gängen getanzt und mitgewippt. Roses Aufforderung, aufzustehen, kommt der gesamte Saal dann auch immer wieder freiwillig nach. Das echte Konzertfeeling kann jedoch schwer aufkommen, wenn sich das Publikum zwischen Stuhlreihen eingepfercht findet.

“God save the QUEEN – The Show goes on” schafft es trotzdem, auch noch die letzte Couchpotato zum Mitmachen zu überreden. Bei “Crazy little thing called love” springen überall spontan Zuschauer auf und klatschen und singen begeistert mit. Bei “Radio Gaga” sind im ganzen Saal nach oben gereckte Arme zu sehen. Die Energie der Band springt über, reißt mit und macht Spaß. Doch auch die leisen Töne beherrschen die fünf Herren aus Düsseldorf. Bei “Who wants to live forever” und “Too much love will kill you” wird dies besonders deutlich.

Alles in allem bietet “God save the QUEEN – The Show goes on” eine grandiose, originalgetreue Reise durch das QUEEN Repertoire mit jeder Menge Mitsing-Potential.

Text: Julia Weber

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Anspruchsvoll – “Roméo und Juliette” in der Deutschen Oper

Sasha Waltz bringt eine Choreographie zu Berlioz‘ “Roméo et Juliette” auf die Bühne der Deutschen Oper. Den Zuschauer erwartet eine anspruchsvolle Performance in schwarz und weiß, bei der nicht alle Ideen zünden.

SASHA WALTZ ROMEO UND JULIETTE DEUTSCHE OPER BERLIN   Premiere: 18.04.2015

Foto: Bernd Uhlig

Als Hector Berlioz im Jahr 1827 das Pariser Gastspiel einer englischen Theatergruppe anschaute, war er sofort begeistert. Doch die Fassung von “Romeo und Julia”, die der Komponist zu Gesicht bekam, hatte mit dem Ursprungstext nur noch wenig gemein. Das Stück galt als eines der schwächeren Werke Shakespeares und wurde von David Garrick so adaptiert, dass der Fokus rein auf der Liebesgeschichte lag. Rosalinde verschwand ebenso wie Julias Amme. Somit war die Basis der Symphonie Dramatique, die Berlioz erschuf, bereits romantisch verfälscht.

In der heutigen Zeit ist nun bekannt, dass der damals hauptsächlich wahrgenommene Aspekt der unsterblichen Liebe nie die Zielaussage des Barden war. Mit dieser Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung im neunzehnten und im einundzwanzigsten Jahrhundert umzugehen, ist die eigentliche Herausforderung. Sasha Waltz hat diese Herausforderung angenommen und eine Ballettchoreographie zum Stück geschaffen.

Berlioz‘ Musik fokussiert sich auf einige Schlüsselszenen: Im ersten Akt wird die Ausgangssituation dargestellt: Die Feindschaft zwischen Capulets und Montagues, die immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führt. Des Weiteren wird hier das Stück bereits “erklärt”. Die Solisten Ronnita Miller und Thomas Blondelle erzählen gemeinsam mit dem Chor die gesamte Geschichte um Roméo und Juliette. Rein musikalisch gesehen ist dies als Leitfaden sicherlich in Ordnung, da zugleich auch schon die Themata aus den einzelnen Sätzen erklingen.

Dramaturgisch ist diese Teil der Einleitung jedoch mehr als problematisch. Waltz hat sich – dem Libretto folgend – entschieden, die gesamte Geschichte einmal im Schnelldurchlauf auf die Bühne zu bringen. Eine Entscheidung, die zwar nachvollziehbar, aber auch etwas uninspiriert ist. Schließlich sieht man die Handlung im Folgenden auch noch einmal in voller Länge.

Musikalisch gibt es absolut nichts auszusetzen. Das Orchester unter der Leitung von Donald Runnicles liefert eine exzellente Performance ab. Themata werden hin und her gespielt. Vom leisesten Piano bis ins Fortissimo werden Spannungsbögen gewoben und feine Streicherpassagen wechseln sich mit an Jagdszenen erinnernde Blechbläser-Partien ab.

Der Zuschauer jedoch nimmt in erster Linie die Performance auf der Bühne wahr. Das Bühnenbild (Pia Maler Schriever, Thomas Schenk, Sasha Waltz) besteht nur aus zwei schief aufeinander stehenden Ebenen, die zwischenzeitig auseinanderkippen und so den parallelen Ablauf der Hochzeit des Paares auf der oberen Plattform und den Kampf der verfeindeten Häuser in der bedrohlichen Enge zwischen den Platten ermöglichen. Zusätzliche Spannung wird durch das Lichtdesign (David Finn) erzielt. Mal kommt die Beleuchtung von der Seite und wirft lange Schatten, mal werden nur winzige Bereiche der Bühne ausgeleuchtet.

Der harte schwarz weiß Kontrast wird auch in den Kostümen verwendet. Die Capulets treten meist in weiß, die Montagues meist in schwarz auf. Das Konzept wird jedoch nicht durchgängig klar verwendet. Insbesondere in der Ballsequenz verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden verfeindeten Sippen.

Waltz hatte ursprünglich die Idee, das Stück in die Jetzt-Zeit zu transportieren, indem sie ihm den Konflikt zwischen Israel und Palästina zu Grunde legte. Tatsächlich taucht die Idee eines Religionskonflikts noch in den Kostümen des Chores (Leitung: William Spaulding) auf. Hier trägt eine Seite Kopfbedeckungen die an Flügelhauben christlicher Nonnen erinnern. Auf der anderen Seite sieht man Hüte, die an die Schtreiml cassidischer Juden angelehnt sein könnten.

Waltz lässt ihre Tänzer durchweg barfuß auftreten. Requisiten gibt es beinahe keine, wodurch manche pantomimische Darstellung – etwa Roméos Tanz mit dem Dolch und Juliettes späterer Freitod – etwas überzogen wirkt.

Die Balkonszene ist ein klares Highlight in der Choreographie. Der Pas de deux zwischen Roméo (Joel Suárez Gómez) und Juliette (Yael Schnell) wartet mit einigen Überraschungen auf. Die Bewegungen der Tänzer sind stets fließend, nur selten reißt der Kontakt zwischen den beiden Akteuren ab. Das Ganze wirkt wie in Bewegung übersetzte Poesie.

Im starken Kontrast dazu steht die grell ausgeleuchtete Szene in der Roméo in Verbannung gezeigt wird, der von Juliettes Tod erfährt. Die Verzweiflung des Liebenden, das Aufbäumen gegen das Schicksal, wird hier dargestellt, indem Roméo immer wieder versucht die beinahe senkrecht stehende weiße Ebene zu erklimmen, jedoch ein ums andere Mal wieder abrutscht.

Berlioz‘ Musik fokussiert sich auf einige Kernelemente der Geschichte. Die Choreographie hält sich ebenfalls beinahe akribisch an diese Kernelemente. So wird nur angedeutet, dass Juliette den Schlaftrunk nimmt. Von Graf Paris ist keine Spur. Der gesamte Konflikt um die Ermordung Tybalts und Mercutios – die entscheidende Szene, die zu Roméos Verbannung und dem dramatischen Ende der Geschichte führt – kommt nicht zur Geltung.

Ein absoluter Höhepunkt des Abends ist jedoch das Finale, wenn Frère Laurent die verfeindeten Familien am Grab der Liebenden dazu auffordert, Frieden zu schließen. Sowohl die gesangliche Leistung von Nicolas Courjai als auch die tänzerische Leistung seines Alter Egos Orlando Rodriguez sind herausragend und verdienen den frenetischen Applaus, den die beiden am Ende der Aufführung ernten.

Text: Julia Weber

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Beeindruckend – das Staatsballett mit “Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere” in der Komischen Oper Berlin

Choreograph Nacho Duato bringt seine avantgardistische Bach-Hommage, die 1999 in Weimar uraufgeführt wurde, nach Berlin. Die Zuschauer erwartet eine Verschmelzung von Tanz und Musik, die Ihresgleichen sucht.

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Foto: Fernando Marcos

Der erste Eindruck ist: schwarz. Die Bühne (Jaffar Chalabi) ist kahl. Im Hintergrund sieht man schwarze, sich während der Vorstellung immer wieder zusammen- und entfaltende Platten. Hinter diesen Platten führen Rampen nach oben. Auf dieser Hinterbühne sieht man im Lauf des Stücks hin und wieder Bach auf und ab gehen. Am Ende des ersten Aktes wandelt er dort auch in Begleitung einer seiner Liebsten nach oben.

Die Kostüme (Nacho Duato, Ismael Aznar) des Ensembles sind ebenso schlicht wie die Bühne. Mit Ausnahme von zwei oder drei Stücken, in denen auch an den barocken Kleidungsstil angelehnte bunte Kleider und Westen zum Einsatz kommen, und das mangentarote Futter der langen Gehröcke im zweiten Akt trägt das gesamte Ensemble eng anliegende schwarze Kleidung.

Im Kontrast dazu ist Bach (Michael Banzhaf) immer in voller Barock-Montur zu sehen. Von der gepuderten Perücke über den Justaucorps bis hin zu den Schnallenschuhen passt hier alles ins 18te Jahrhundert. Auch Solistin Weronika Frodyma als der Tod sticht heraus. Obwohl auch ihre Garderobe sich ins Einheits-Schwarz einfügt, wird sie durch den weiten Rock und die weiße Halbmaske individualisiert.

Im ersten Akt bietet das Ensemble eine Reise durch Bachs Lebenswerk. Die Goldberg-Variationen sind hier ebenso vertreten wie einige Orgelkonzerte und die Brandenburgischen Konzerte. Dabei wird jedes Thema zu einer Bewegungsabfolge. Choreographie und Melodie sind eins. Immer wieder kommt es zu Gegenüberstellungen des Einzelnen und der Masse. Ensemble-Tanzszenen wie etwa die Szene in der Bach ein “Orchester” aus Tänzern dirigiert, wechseln sich mit Solo-Tänzen und Pas de deux ab.

Bemerkenswert ist hier zum Beispiel der Pas de deux zur Cello Suite Nummer 1, bei der Bach auf einer Tänzerin wie auf einem Instrument spielt. Diese ist zunächst eher widerwillig, doch nach einigem Ringen endet diese Sequenz in Harmonie.

Anders die Szenen zwischen Bach und dem Tod: Während der Komponist sonst stets die Oberhand zu haben scheint, ist er hier unterlegen.

Die Todessymbolik taucht im zweiten Akt, der auf der Kunst der Fuge basiert, verstärkt auf. Mystisch, wehmütig und wesentlich düsterer als der erste Akt ist hier auch die Choreographie. Der humorige Pas de deux der zwei Herren in ovalen Paniers – ohne entsprechende Röcke darüber – aus dem ersten Teil scheint weit in der Vergangenheit zu liegen. Dem Tod gelingt es dann auch, Bach zunächst seine Muse (Giuliana Bottino) zu rauben und ihn in Verzweiflung zu stürzen, bevor sie ihn schließlich mit sich nimmt.

Die Musik kommt vom Band, was etwas schade ist. In Anbetracht der Tatsache, dass man neben einem kompletten Sinfonieorchester auch einen Chor und eine Orgel gebraucht hätte, um alle ausgewählten Stücke umzusetzen, ist die Entscheidung gegen live Musik allerdings nachvollziehbar.

Duato lässt die Tänzer zu Instrumenten werden. In manchen Bewegungen erkennt man Harfen oder Streichinstrumente wieder. In einer Szene spielt ein Tänzer auf seiner Partnerin als Cembalo, klappt sie dann zusammen als schlage er den Klavierdeckel zu und trägt sie von der Bühne – was für allgemeine Erheiterung im Publikum sorgt.

Immer wieder sieht man Ballett-untypische geflexte Füße und geknickte Knie, die den Körpern der Tänzer ein wenig die Form von Noten geben. Hier wird mit Violinbögen gefochten, dort entsteht eine Fuge, indem analog zur Musik eine Tänzerin mit einer bestimmten Bewegungsabfolge beginnt, die von anderen versetzt aufgegriffen und immer wieder leicht abgewandelt wird. Akrobatik- und Modern-Elemente runden das Ganze ab.

Wenn einzelne Ensemblemitglieder in Pas de deux oder Trios miteinander interagieren, spürt man Begeisterung, mit denen die Tänzer bei der Sache sind. Die spannende Mischung aus ungewöhnlichen Choreographie-Einfällen und Bachs unsterblicher Musik sprüht vor Energie und Kraft.

“Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere” bietet die absolute Verschmelzung von Tanz und Musik. Dabei wird es niemals langatmig, immer wieder gibt es für den Zuschauer Neues zu entdecken. Duatos Ziel ist, dass das Publikum mit den Augen hören und mit den Ohren sehen lernen soll und genau dies geschieht an diesem Abend, der Genuss mit allen Sinnen möglich macht.

Text: Julia Weber

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Unterhaltsam – “Der Mörder ist immer der Gärtner” im Kriminaltheater

Das Berliner Kriminaltheater gibt es bereits seit 15 Jahren. Neben Adaptionen von Klassikern wie “Arsen und Spitzenhäubchen” oder “Gaslicht” wird dort auch regelmäßig die amüsante Krimi-Lieder Revue “Der Mörder war immer der Gärtner” aufgeführt.

Tom Deininger, Mattis Nolte und Kristin Schulze warten mit einem bunten Potpourri aus Liedern auf, die irgendetwas mit dem gewaltsamen Ableben und den damit verbundenen Begleitumständen zu tun haben. Dabei überzeugt das Trio insbesondere durch Spielfreude und lustige Ideen. Jedes Lied wird als kleine Spielszene dargestellt.

“Der Chef vom Detektivbüro 00” (Nolte) stempelt imaginäre Briefe und inspiziert am Ende seiner Nummer etwas enttäuscht den Belag seines Butterbrotes. Bei “Macavity” kommen Deininger und Schulze in Leopardenmänteln auf die Bühne. Deiniger schwärmt vom “Taubenvergiften im Park” und beschwert sich: “Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett”.

Schulze ist gesanglich top. Ihre Stimme changiert von rauchig-sexy bis zur Rockröhre. Ihre Interpretation von “Es schwimmt eine Leiche im Teich” ist ebenso berührend wie komisch. Nolte überzeugt ebenfalls als Entertainer mit starker Stimme und noch stärkerem Schauspiel. Er wechselt vom Wiener Akzent bei Falco’s “Der Kommissar” bis zum tiefsten Berlinerisch bei “Der Schöne Franz”.

Deininger reicht gesanglich nicht an seine jüngeren Kollegen heran, beschränkt sich auf Sprechgesang, doch seine Song-Wahl verzeiht dies.

Reinhard Meys Chanson “Der Mörder ist immer der Gärtner” wird strophenweise über den gesamten Abend verteilt immer wieder angestimmt, eröffnet und beschließt das Programm.

Highlights sind immer jene Szenen, in denen zwei der Darsteller oder gleich alle drei auf der Bühne interagieren können. So tanzen Nolte und Schulze bei “Kriminal Tango” in der Taverne während Deininger vor der Rampe stehend die Geschichte erzählt. Bei “Officer Krupke” singen Nolte und Deininger die eher unbekannte deutsche Übersetzung des Bernstein Klassikers. Bei alldem nehmen sich die drei Darsteller nie allzu ernst.

Die Musik kommt von Tobias Bartholmeß am Klavier und dem herausragenden Glenn Müller am Saxofon. Der Gesang ist live und kommt in dem relativ kleinen Theatersaal des Kriminal Theaters ganz ohne Verstärkung aus.

Die Chansons vermitteln ein wenig den Eindruck, eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit zu machen. Nicht wenige Zuschauer verlassen mit einem der Ohrwürmer auf den Lippen das Theater. Alles in allem bietet “Der Mörder ist immer der Gärtner” gute Unterhaltung.

Text: Julia Weber

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